Kinoderkino Wunderlampe

Wir können auch anders

Die Kindervilla, eine städtische Freizeiteinrichtung für Kinder, befindet sich an der Kahlaischen Straße zwischen Innenstadt und Ringwiese. Hier ist unter anderem das Kinderkino »Wunderlampe« untergebracht, das seit 1991 besteht und in seiner Aufmachung bundesweit einzigartig ist.
Anfang des Jahres geriet es in die Schlagzeilen, da die Stadt ihm den Zuschuss kürzen wollte. Daraufhin wurde heiß diskutiert und protestiert, Kinder sammelten spontan Unterschriften zur Erhaltung des Kinos und am Ende wurde dann doch noch das Geld, zumindest für das laufende Jahr 2000, bewilligt.
Die Kinomacher, das sind Thomas Gröper und Birgit Kammerer, erhielten bisher jährlich ca. 130000 DM, wovon ungefähr 90 000 DM auf Personalkosten entfielen - heuer wurde um 5000 DM gekürzt. Mit dem noch verbleibenden Geld stellen die beiden monatlich ein neues Programm auf, zusätzlich gibt es Veranstaltungen wie das viertägige »Filmfest« im »Capitol«, das 1999 bereits zum sechsten Mal stattfand (Oktober/ November 2000 geplant). Neu in diesem Jahr sind außerdem die 1. Jugendfilmtage im Schillerkino (Film e. V.), um eine neue Zielgruppe, nämlich Menschen ab 12 Jahren, zu erreichen. Man möchte das Angebot erweitern, und nicht auf der Stelle treten. Im Zuge der Kürzungen ist das nicht immer einfach, aber aufgeben wird man nicht.
Kinder von drei bis zwölf Jahren besuchen die 38 Kinoplätze (Sitzkissen) die das Kino hat. Der Film fängt nicht einfach an, sondern den ganz Kleinen erklärt zunächst eine Marionette, was sie erwartet. Dann wird an der Wunderlampe gerieben - daher der Name - die den Film zum Laufen bringt. Im Anschluss an den Film kann jeder seine Meinung über das Gesehene durch eine Bewertung kundtun,
Thomas Gröper ist zufrieden, wenn wenigstens ein paar Kinder die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, dass es außer Tarzan oder Käpt´n Blaubär auch noch etwas anderes gibt.
Kennen Kinder heute fast nur noch Trickfilme, so bekommen sie hier auch Marionetten- oder Silhouettefilme zu sehen. Das Repertoire reicht von DEFA-Filmen und russischen oder tschechischen Produktionen über Astrid Lindgren-Adaptionen bis zu neuen deutschen Kinderfilmen. Da werden beispielsweise die Gewinner des Kinderfilmfestivals »Der Goldene Spatz« aus Gera gezeigt und an den Filmtagen bekommen die jungen Besuchern auch schon mal einen Schauspieler oder Regisseur zu Gesicht und erhalten natürlich ein Autogramm.
Kinder können sich aber auch selber an eigenen Trickproduktionen versuchen. Was vielen Einrichtungen, wie Kindergärten oder Schulen leider oft nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass Gruppen nicht nur in der Kindervilla herzlichst willkommen sind, sondern dass das Kino auch zu ihnen kommt - und das im gesamten Saale-Holzland-Kreis.
Insgesamt kann das Kinderkino auf eine Gesamtbesucherzahl von 85 000 Kindern zurückblicken, pro Jahr sind es 8 000 bis 11 000. Jeden Monat finden 25 bis 30 Veranstaltungen statt. Eine, auf die dabei besonderes Augenmerk gelegt wird, ist ein alljährlich organisiertes Dreitagesprojekt mit einer bestimmten Schulklasse, das dieses Jahr im April unter dem Motto »Phantasie« steht.
Doch trotz aller Hindernisse und der dauernden Ungewissheit, wie lange das Kinderkino wohl noch existieren wird, ist sich Thomas Gröper sicher: »Wenigstens bis zum zehnjährigen Bestehen im November 2001 schaffen wir es!« Dieser Wunsch in allen Ehren, aber eigentlich würde man lieber hören, dass das Geld für ein solches Projekt, dessen präventive Wirkung nicht unterschätzt werden sollte, noch lange fließen möge.
Telefonische Voranmeldung (für Gruppen) unter: 03641-61 69 04 oder 0172- 93 65 388

[KAMM]]