Verschwörungstheorien zeichnen sich nicht selten dadurch
aus, dass sie sich, unaufhaltbar rasant, zu einem Selbstläufer entwickeln,
sich von anfänglichen, unscheinbar auftretenden Zufällen
zum unwiderlegbar erscheinenden Generalverdachtskomplex verdichten wenn
man ein Denken in derartigen Bahnen erst einmal zulässt. Der menschlichen
Natur scheint eine diesbezügliche Prädisposition inhärent. Derart
in die Wiege gelegt entfaltet sie sich zu ihrer ganzen Pracht in Konfliktlagen,
in denen der Mensch nun geradezu überzeugt von dem Wirken der bösen
Mächten ist, denen er sich hilflos ausgeliefert wähnt. Wesentlich
effizienter und dadurch oftmals effektiver, als die Verschwörungen selbst,
ist der schier unzerstörbare Glaube an ihre Existenz. Im Gegensatz zum
Glauben an Hexerei ist das Vermuten bzw. die Überzeugung verschwörerischer
Machenschaften durchaus salonfähig. Angesichts etwa der beobachtbaren politischen
Praxis in westlich zivilisiert geglaubten und demokratisch regierten (die USA
lassen nun auch diesbezüglich Zweifel aufkommen ...?!) Ländern, verwundert
es schon gar nicht mehr, dass drei von vier US-Bürgern glauben, ihre eigens
gewählte Regierung sei regelmäßig in geheime und verschwörerische
Aktivitäten verstrickt (R. A. Wilson). Auf den ersten Blick absurd
anmutende Fantasiegebilde werden angesichts immer neu aufgedeckter (Bruchteile)
politischer oder anderer Skandale im Laufe der Ereignisse doch stets plausibler
... und von der Realität eher noch übertrumpft. Das Vertrauen des
Einzelnen in das System (der superlative Abstraktionsgrad der Sprache
treibt uns den Verschwörungstheorien direkt in die lauernden Arme!) ist
nicht erst auf Grund des Durchlebens des Kalten Krieges zerstört. Globalisierung
und Entmenschlichung bedingen einander. Wem kann man heutzutage tatsächlich
noch bedingungslos vertrauen? Woher sollen wir wissen, welche Daten etwa der
Chip unserer Versicherten/Krankenkassenkarte transportiert? Welche Sicherheit
hat eine geheime PIN zu bieten, von der wir nicht wissen, wer sie sich speziell
für uns ausgedacht hat? Es kann doch auch kein Zufall sein, dass man die
Störungsstelle der Telekom niemals erreicht ... Und warum behauptet die
Person am anderen Ende der Leitung eigentlich immer, sie hätte sich verwählt?
Inwieweit ist Ihr Vertrauen in die Medien(informations?)flut noch intakt? Ist
ein Überangebot an Information nicht eigentlich aberwitzig? Ist es nicht
vielleicht eher so, dass ein jeder bloß glauben soll, jegliche Information
sei jederzeit für ihn frei verfügbar? Und was soll uns dadurch weis
gemacht werden? Und vor allem: Was wird uns dadurch wohl geschickt verschwiegen?
Und: Glauben Sie etwa noch uneingeschränkt alles, was sie lesen?
Seltsame Stories verkörpern eine feste Grundlage des Outputs
stetig ansteigender Filmproduktionen, tatsächlich bilden sie jedoch die
Basis einer jeden Filmproduktion, filmischer Stoff ist wahrhaft fantastisch.
Die vorliegende Ausgabe der frame 25 möchte Ihnen einen Einblick gewähren,
in das verschwörerische Dunkel, das hinter der Filmleinwand und anderswo
verborgen liegt. Darüber hinaus gibt es eine Nachlese des zweiten Weimarer
Filmfestes, das im vergangenen November stattfand; Jörg Baudach, Objektleiter
des UFA-Kinos in Erfurt, ließ sich von uns in die Karten schauen; mit
der American Film Preservation Showcase setzt die National Film Registry, eine
Unterabteilung der Library of Congress in den USA, ein spätes und unschätzbar
wertvolles Zeichen gegen die Zerstörung unwiederbringlichen Filmmaterials
- wir berichten aus dem Deutschen Filmmuseum in Frankfurt a. M., hier war ein
Teil ihrer Arbeit zu bestaunen; Unruhen soll es gegeben haben bei einem der
zur Promotiontour gehörigen Abende hier im Jenaer Capitol, als Oi! Warning
(D 98) in Anwesenheit der beiden Regisseure Dominik und Benjamin Reding über
die Leinwand flimmerte, das jedenfalls behauptete der Spiegel. Wir behaupten
etwas anderes.
Das neue Jahrtausend, das ja nun definitiv begonnen hat, bringt Ihnen in den
bekannten frame 25-Rubriken Kino, Buchrezensionen & frame 26 Einsichten
in Gelaufenes und Laufendes, Neues vom Filmbüchermarkt und Flimmerndes
für das heimelige Wohnzimmer und es bringt ihnen ein bekanntes Gesicht
in neuer Position: Ich freue mich sehr darauf, die frame 25 als Chefredakteurin
in dieses dritte Jahrhundert des Films zu begleiten.
Viel Spaß nun bei der Lektüre der frame 25 wünscht