Hausproduktionen

Unter Uns

Wie sich aus dem Titel unschwer erraten lässt, wendet sich diese Seite Filmen zu, die in Jena und Umgebung gedreht und produziert wurden. Zentral insbesondere mit Weimar. Die Arbeiten gehen zum überwiegenden Teil aus Seminaren hervor und sind meist Erstlingswerke. Daraus ergibt sich zwangsläufig ein eher distanziertes Herangehen an die Streifen Materials. Der Fokus richtet sich vornehmlich auf den Prozess, wie mit eventuellen Vorgaben und Anweisungen umgegangen wird. Diese Seite behortet sämtliche Genres und versteht sich in der Hauptsache als Schwarzes Brett mit programmatischem Charakter. Wenn hier über entstandene Filme geschrieben wird, verknüpft es gleichzeitig einen Termin an eine öffentlicheAufführung. Unglücklicherweise fand die erste Aufführung bereits am 6. Januar, also vor Redaktionsschluss, statt. (Die dort gezeigten Arbeiten werden in der nächsten Ausgabe vorgestellt.) Die Filme, auch die späteren, können aber jederzeit in der Mediathek (Humboldstraße 34) ausgeliehen werden. Die erste Ausgabe wird von mir und meinem ersten Film RATS! "missbraucht", er soll gleichzeitig als Erklärung für diese Zeilen dienen. Was heißt das? Die Lokalseite von frame 25 soll Raum und Platz für eigene Bilder bieten und dementsprechend kann und soll es mit einem selbst produzierten Filmdokument beginnen. Natürlich ist es immer ein Wagnis, sich der Öffentlichkeit preis zu geben. Auch Selbstgefälligkeiten können zwangsläufig mitschwingen, aber um ein Zitat aus dem Streifen zu gebrauchen: "Wir können im Prinzip machen, was wir wollen, aber wir machen's". Im vollen Bewusstsein was das heißt und impliziert. Kritik und Selbstkritik mit eingeschlossen. Entscheidend ist die Handlung selbst. Ein Verriß macht einen Film nicht ungeschehen, genauso wenig wie eine Lobeshymne ihn verdoppelt. RATS! ist ein Underground-Document über die real-existierenden Band Stranglehold, die ihre zweite CD einspielt. Die Filmaufnahmen erstreckten sich von Februar bis August '98. Der Ort, ein altes Gartenhaus, beschreibt eine Oase, was sich dort abspielt, eine Bohème, die weit über das eigentliche Musik machen hinausgeht und sich für die Typen als entscheidender Moment in deren Dasein entwickelte. Alle Aufnahmen wurden mit einer Hi8-Handkamera gedreht. Das berechtigt natürlich zu der Frage, was dabei über den Charme und die Erotik eines Homevideos hinausgeht? Soweit ich das abschätzen kann, ist es die Aura, die durch den Raum schwebt. Was soll man, bitte schön, an einer Aura erklären, ohne banal zu werden? Sinn erzeugt Gegensinn und genau das ist der Punkt wo es anfängt labil zu werden. Motivation für die Bilder sind die Zerbrechlichkeit und der Tod, an denen sich die Angst zeigt und die Schwächen offenbaren. Die Antwort muss besonders dann offen

RATS!
Idee, Kamera und Regie: Thomas Ritter.
Darsteller: Die Band STRANGLEHOLD.
D 98
ca. 80 Min (Farbe & s/w).

Premiere: 6. März 99, 20.00 Uhr
im Café Wagner in Jena

bleiben, wenn man selbst in das Treiben involviert ist, ansonsten ist man hochgradig gefährdet. Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zwischen Realität und Fiktion. In der Fiktion kann es kompromisslos zugehen, aber im Realen ist der Kompromiss existentiell, ansonsten droht die Isolation. Lust kann bekanntlich, hundertmal durchgekaut, zur Last werden. Letztlich dokumentiert der Film nur scheinbar einen kurzen Auszug. Am Ende der Aufnahmen trat, in aller Konsequenz, der wirkliche Tod in das Geschehen. Scheinbar aus einem nur kurzen Abschnitt entwickeln sich Momente, die für das bisschen Leben danach entscheidend werden und was bleibt da noch übrig? Mögliche Antworten gibt es zur Premiere.

[TR]