Editorial

Hollywoods Liebling

Anderthalb Jahre nach der ersten Ausgabe der frame25 haben wir nach zähem Ringen beschlossen, den Vertrieb der Zeitschrift über die Stadtgrenzen Jenas hinaus zu wagen. Wir hoffen, dass dies durchweg in Ehrenamt hergestellte Blatt Interessenten und Resonanz auch andernorts findet. Für konstruktive Kritik sind wir natürlich dankbar und einer aktiven Mitarbeit steht nichts im Wege. Dank gilt an dieser Stelle dem Stura der FSU-Jena der dieses expandierende Projekt einmalig mitfinanziert hat. Nur selten lässt sich der Name eines Regisseurs so klar und eindeutig einer Semantik zu weisen wie Steven Spielberg. Verkörpert er doch, neben Bill Gates und Bill Clinton, das alte und neue Amerika als fokussierte Symbolfigur. Die einzigartige Erfolgsgeschichte Spielbergs stützt sich im großen Maße auf die inhalierten Mechanismen des Hollywoodkinos und auf deren gigantische Maschinerie. Als Produkt steht Spielberg für technisch aufwendige Spezialeffekte und den immerwährenden kleinen Jungen. Erst spät entdeckt Spielberg die ernsten Themen für sich, ohne jedoch die Wurzeln seiner Herkunft ganz abstreifen zu können. Immer fühlt er sich seiner pragmatischen, auf Vermarktung ausgerichteten Heimat verbunden und verpflichtet. Sich dem Phänomen Spielberg zu nähern, dafür bieten die letzten Jahrzehnte seines Wirkens Stoff genug. In über neun Seiten wollen wir auf eine Auswahl von Spielberg-Filmen Bezug nehmen und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Unser obligatorisches Portrait widmet sich, passend zum Thema, John Williams. Als Komponist lieferte er den musikalischen Rahmen für Spielbergs Erfolge. Das Interview mit Brigitte Scherer versteht sich als Ergänzung zu unserer letzten Ausgabe mit dem Thema: Fortsetzungen und Serien. Als RTL-Redakteurin und Expertin amerikanischer Serien wird sie zu ihrer Dissertation "Thomas Magnum und die Frauen" befragt. Das 46. Internationale Kurzfilmfestival Oberhausen stellt mit Abstand die wichtigste Schau seiner Gattung in Deutschland dar. Die junge Autorin Grit Hammer war vor Ort und berichtet exklusiv für die frame 25. Eine kritische Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Kinokultur findet sich genauso in dem Blatt, wie immer jede Menge neue Film- und Buchbesprechungen.

Thomas Ritter