Anfang Januar kam
es, wie in der ersten Ausgabe bereits angekündigt, zum ersten Treffen von
Studierenden und Dozenten auf dem Filmarbeiten der Medienwissenschaft Jena vorgestellt
wurden. Der erlesene Kreis von ca. 30-40 Zuschauern setzte sich gut zur Hälfte
aus den Autoren und Co-Autoren der Filme zusammen. Verständlich die Scheu
vor einer größeren Öffentlichkeit. Beim Betreten von Neuland
ist es immer eine zwiespältige Angelegenheit und die Kritik, diese mit
eingeschlossen, schränkt sich durch diese Tatsache schon ein. Wichtig ist
es, wie in der Ankündigung des Seminares, aus dem heraus die Arbeiten entstanden
sind, heisst: Ob im Sinn von Anschauung oder Beobachtung - dasselbe wird
anders, ein Davor und ein Jetzt treten hinzu. Dazu gehört nun mal
die Kritik und ist deren Funktion, die, wie an dem Abend auch, konstruktiv sein
sollte.
Wie erwähnt gingen die Streifen aus dem im Sommersemester 1998 stattgefundenen
Projekt Objektiv. Technik / Wahrnehmung / Falschgebung, das als Workshop angelegt
war, hervor. Vermittelt wurden dabei Kriterien der Technik und Ästhetik
im Bezug auf Objekt / Objektiv / Objektivität. Widergespiegelt hat sich
der inhaltliche Freiraum vor allem in der Unterschiedlichkeit der 3-7-minütigen
Kurzfilme.
Augenblick der Erinnerung, ein Gemeischaftsprojekt von vier Studenten, (Silvio
Kleinsteuber, Inka Schrader, Steffen Frosch, Maik Wollrab) erzählt von
einem Streit zwischen einer jungen Frau (Inka Schrader) und ihrem Freund (Maik
Wollrab). Auf dem Heimweg durch die Stadt (Jena) erblickt die Frau diverse Objekte
und Personen, die sie an die Ausseinandersetzung erinnern und die Streit symbolisieren.
Die Kamera hält die Blicke eindringlich fest, so ein zerbrochener Pfosten
oder eine zersplitterte Scheibe. In Schwarz/Weiss-Rückblicken wird die
Streit-Szene gezeigt. Zuhause angekommen erfährt sie die befürchtete
Abweisung des Partners.
Mit technolastiger
Musik erweist sich der Film als eingängig. Leider sind es die Bilder, vielleicht
begründet aus der hohen Anzahl der Personen die beteiligt waren, die am
meisten mit Kompromissen behaftet scheinen. Die einfache Story krankt etwas
an den plakativen Elementen, um einen zerbrochenen Pfosten oder an einer geschlossenen
Schranke.
Das zweite Projekt Werden von Omed Said ist ein experimenteller Film. Aus zwei
wechselnden Perspektiven zeigt sich ein Pflasterstein. Die gesamte Einstellung
besteht im Prinzip nur aus einer Einzigen: den ein- und ausfahrenden Zoom auf
den Stein. Die zwei Perspektiven kreuzen sich immer dann, wenn das Geräusch
eines Wassertropfens, der auf den Stein fällt, ertönt. Das siebenminütige
Werk hat auf großer Leinwand etwas berauschend hypnotisches, ein Gefühl,
das durch das Geräusch des Wassertropfens noch verstärkt wird. Ein
durchaus gelungener Film, an dem nur der Titel etwas aufdringlich erscheint.
Einem Werbespot am nächsten,
und nicht nur wegen des Titels, kommt der Film Fahrgefühl Monotonie
Harmonie Dynamik von Marcus Lilly, gleichzeitig Hauptakteur in dem Streifen.
Ein leicht ironischer Unterton in der Eingangssequenz relativiert den Clip.
Mit dem Fahrrad auf Waldwegen unterwegs, umrahmt von Techno und der echohaften
Stimme: Das Dahingleiten auf der Straße .... (etc.). Ein Crossover
auf dem Mountainbike. Dynamik in Standbildern, die additive wechseln. In gebräunten
Schwarz/Weiss-Bildern, kann die Waldidylle nachvollzogen werden. Nur die Straße
ist am Laufen. Ästhetisch sicher das Ansprechendste des Abends.
(Wird fortgesetzt).
[TR]