Editorial

Was ist deutsch am Film?

Der Begriff "Deutscher Film" wird gewöhnlich dann benutzt, wenn er (wie eigentlich immer) in der Krise ist. Wird die Frage nach dem Deutschen Film aber fokusiert und versucht man das Spezifische im Sinne einer eigenen Filmsprache herauszufiltern, so wird die Begriffslage schon reichlich undifferenziert. Das "Deutsche" vor dem Begriff "Film", scheint eher einer semantischen Einordnung in geographischer und (laut) sprachlicher Hinsicht zu entsprechen. Die Geschichte des letzten Jahrhunderts (und nicht nur die) wurde über das Medium Film in einem nicht zu überschätzenden Maße transportiert und vermittelt. Das Transportmittel Film sorgte durch seine permanente Reproduzierbarkeit, aber auch für seine eigene Grenzenlosigkeit. Das genuin Deutsche lässt sich durch diesen globalen Charakter noch schwerer identifizieren. Einfacher lassen sich Etappen und Programme, wie beispielsweise der Neue Deutsche Film, die DEFA oder der Deutsche Expressionismus ausmachen. Auch scheinen sie einen viel genauere Begriffspool für Differenzierungen zu ermöglichen als der ambivalente Oberbegriff: "Deutsch". Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass es eine umfassende Darstellung des deutschen Films nicht gibt. "Eine Geschichte des deutschen Films", die sowohl die Zeit bis 1945 als auch die getrennten Entwicklungen in beiden deutschen Staaten aufarbeitet, ist erst noch zu schreiben.", stellt treffend das Goetheinstitut fest. Auch wir beschränkten uns auf einzelne Abschnitte und auf eine selbstverständlich unvollständige Auswahl der Themen. Ein peinliches Missgeschick ist uns in der letzten Ausgabe unterlaufen. Der Oberhausener Festivalbericht besaß kein so merkwürdiges Ende wie es den Anschein hatte. Vielmehr wurde der letzte Abschnitt beim Layouten verschluckt, so dass wir beschlossen, den kompletten Artikel (S.16) noch einmal zu veröffentlichen. Nach fast zwei Jahren im Hause der Medienwissenschaft zieht das Redaktionsbüro nun bis Ende des Jahres um. Der Kulturbahnhof (ehemals Saalbahnhof) wird die neue Herberge für die Redaktion. Der Entschluss, die "schützenden" UNI-Räume zu verlassen, ist uns sicher nicht leicht gefallen, doch die Schonfrist bzw. der raue Wind des UNI-Alltags ließ der Zeitung keine andere Wahl. Außerdem verlasse ich nach meiner einjährigen Amtszeit als Chefredakteur die Zeitung erst einmal ganz. Das Studium hat erste Priorität. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit und ich bedanke mich bei allen Lesern und selbstverständlich bei allen Mitarbeitern der Zeitung insbesondere bei Stefan Höltgen für das entgegengebrachte Vertrauen.

Thomas Ritter