In diesem Jahr fanden die Internationalen Filmfestspiele in
Cannes bereits zum 52. Mal statt. Vom 12. bis 23. Mai 1999 traten insgesamt
22 weltweit ausgewählte Filme in den Wettbewerb. Den Vorsitz der international
zusammengestellten Jury übernahm diesesmal der kanadische Regisseur David
Cronenberg. Weitere Mitglieder waren u.a. Holly Hunter, Jeff Goldblum u. Doris
Dörrie.
Wie jedes Jahr war es die Aufgabe der Jury, aus den Nominierten die besten künstlerischen,
technischen oder filmischen Leistungen zu ermitteln und mit der höchsten
Auszeichnung - der "Goldenen Palme" - zu ehren. Das Festival, das
weltweit zu den bedeutendsten gehört, war in diesem Jahr besonders gut
besetzt. Einen Höhepunkt stellte ohne Zweifel der Film "Moloch"
von Alexander Sukurow dar. Bei dieser deutsch-russischen Koproduktion handelt
es sich um die Geschichte von Eva Braun und Adolf Hitler. Geehrt wurde der Film
als "bestes Drehbuch". Auch der asiatische Film war vertreten: Chen
Kaige zeichnete sich durch seinen monumentalen chinesischen Historienfilm "The
Emperor and the Assassia" aus, in der Kategorie "beste Technik einer
Insze-nierung". "L'huma-nite" von Bruno Dumont landete auf dem
zweiten Platz. Der Laienschauspieler Emmanuel Schotte, der in diesem Film die
Chance bekam, sein Können unter Beweis zu stellen, wurde als "bester
männlicher Darsteller" gekürt. In der Kategorie "beste weibliche
Darstellerin" mussten sich die Französin Severin Caneele (ebenfalls
"L'humanite") und die Belgierin Emelie Dequenne ("Rosetta")
die Auszeichnung teilen.
Das auch Filmfestivals Überraschungen bergen, bewies die Bekanntgabe des
Wettbewerbssiegers am 23. Mai 1999. Entgegen allen Erwartungen war es keiner
der prominenten Regisseure wie David Lynch, Jim Jarmusch oder Pedro Almodovar.
Stattdessen nahmen das belgische Brüderpaar Luc und Jean Pierre Dardenne
für ihr Werk "Rosetta" die "Goldene Palme" in Empfang.
"Rosetta" erzählt die Geschichte eines verzweifelten, problembehafteten
und arbeitslosen jungen Mädchens, das mit allen Mitteln versucht, Arbeit
zu finden und ein normales Leben zu führen. Mit der sehr realistischen
Darstellungsweise wurde eindeutig auf den sozialen Positionsbezug verwiesen.
Das Urteil der Jury traf jedoch auf Missbilligungen und Kopfschütteln.
Grund hierfür war unter anderem der eindeutige Publikumsliebling und Favorit
vieler Kritiker Pedro Almodovar mit seinem optimistischem Melodrama "Alles
über meine Mutter", der sich nun mit der Auszeichnung für "beste
Regie" zufrieden geben mußte.
[KP]
Eines der nächsten bedeutenden Internationalen Filmfestivals findet vom
15.06. - 23.06. '99 in Pesaro (Italien) statt. Lino Miccichè und Bruno
Torri haben 1965 dieses Filmfestival ins Leben gerufen. Während in den
ersten Jahren der Schwerpunkt noch auf das neue italienische Kino gelegt wurde,
sind heute Filmproduktionen aus aller Welt zu sehen.
In diesem Jahr werden zwei Retrospektiven von Arthur Penn und Georges Franja
vorgeführt. Auch einer der bekanntesten Amerikanischen Experimentalisten,
Ernie Gehr, wird anwesend sein. Neben den Filmvorführungen finden Diskussionsrunden
statt, an der die jeweiligen Künstler und Gäste teilnehmen können.
Darüber hinaus werden speziell für Studenten Seminare zur Thematik
Videoproduktion/Filmemacher/Filmkritiker angeboten. Auch von der Medienwissenschaft
der Friedrich-Schiller-Univerisität Jena werden Studenten an dem Festival
teilnehmen und in der nächsten Ausgabe darüber berichten.
[KP]