Wie in der vorherigen Ausgabe erwähnt, sind die hier rezensierten
Filme Eigenproduktionen der Medienwissenschaft Jena, die im Januar aufgeführt
wurden. Über die ersten drei der sieben Filme wurde in der letzten Ausgabe
berichtet. Daran an knüpft sich Anfänge II als Fortsetzung.
Der Film von Michael
Küller, Das Brötchen, zeigt das tragische Ende eines Brötchens.
Eine Frau deckt den Frühstückstisch für sich und ihre kleine
Tochter. Das letzte im Haus befindliche Brötchen backt sie dafür im
Herd auf. Der Kamerafokus auf die Backröhre, lenkt die Aufmerksamkeit auf
das Brötchen. Der anschließend vergilbte Gegenschuss, also die Sichtrichtung
des Brötchens aus dem Herd heraus, verweist auf die livehaftige Brötchenexistenz,
der es an den Kragen geht. Erst die Hitze, dann ein langes Messer und später
ein großer Kindermund, der das Brötchen zu verschlingen droht. Am
Ende wird es von dem Mädchen jedoch verschmäht und landet angebissen
im Müll.
Die Film erscheint unbeschwert und leicht. Leider wirken einige Szenen, insbesondere
der Kamerawinkel und die Tonbearbeitung unfertig, so dass der Eindruck entsteht,
die Idee sei nicht völlig ausgereizt worden.
Der experimentelle
Film Bewegte Provokation von Katrin Peschke zeigt in rhythmischen Bildern einen
jungen Mann, der sich durch einen kleinen, leeren Raum bewegt. Mit Hilfe der
Vorwärts- und Rückwärtsbewegung, erzeugt durch kurze, schnelle
Schnitte und der rhythmischen Anordnung, wird eine hypnotische Wirkung geschaffen,
die durch die Geräusche einer knarrenden Tür bzw. einer gescratchten
Schallplatte noch verstärkt wird. Erst beim mehrmaligen Sehen eröffnen
sich Inhalte. Die symbolische Tür mit dem hereintretenden Partner in der
Vorwärts- und Rückwärtsbewegung - soll er oder soll er nicht?
Der symbolische Rücken am Fenster, kalt und unnahbar. Im Kontrast dazu,
die Finger, die mit der Kamera eingefangen auf dem Körper liegen. Kurze
und warme Momente, die von den schnellen Schnitten des sich hinlegenden und
aus dem Zimmer gehenden Mann abgelöst werden. Bewegte Provokation erweist
sich erst beim mehrmaligen Sehen als eingängig. Überraschend die Sicherheit
beim Schnitt und die gelungene Tonbearbeitung.
Als sechstes und letztes Projekt wurde im Rahmen des Seminars Objektiv.
Technik / Wahrnehmung / Falschgebung der Film hey von Susanna Trebs gezeigt.
Eine Abhandlung über das
Gehen in allen Wortvarianten, eingeleitet von dem Textblock im Vorspann: gehen;
du gehst: du gingst ... weggehen ... übergehen usw. Das immer wiederkehrende
Tonband gibt den Rhythmus vor oder zurück. Der schnelle Beat führt
durch die Straßen und in ein Treppenhaus. Im Blick zwei Beine, die die
Stufen auf- und ablaufen. Gehen in allen abgewandelten Formen und Sinnen: auf
Toilette gehen, die Tür hineingehen oder herausgehen, den Abschiedskuss
vorm Weggehen, immer und immer wieder im Sog des abfließenden Wassers.
Bewegung ist alles.
Im Musikclipformat präsentiert sich hey. Leicht ironisch werden die Assoziationen
in Bilder und Töne umgesetzt und zeigen wohin alles gegangen
werden kann, ob im Rausch, auf der Straße oder im TV.
(wird fortgesetzt)
[TR]