Editorial

Fucking

Mit der Pornografie verhält es sich nicht anders als mit jedem Tabuthema der Gesellschaft: Je mehr darüber gesprochen wird, desto weniger wird darüber gesagt. Paradox? Keineswegs. Die Frequenz, mit der uns Erotik und Pornografie tagtäglich begegnen, lässt sie normaler erscheinen als die Butter auf dem Brot: Nackte Frauen, die uns von Reklametafeln, Fernsehzeitschriften und aus Telefonwerbespots suggerieren, dass die “Wa(h)re Frau” jederzeit & für jedermann konsumierbar ist. Doch die Realität sieht bekanntlich anders aus. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern scheint sich - gerade was die Themen “Liebe und Erotik” angeht - mehr und mehr abzukühlen. Hunde, die bellen, haben eben keine Zeit zum beißen.
Erkundigt man sich bei den ortsansässigen Videothekaren, welchem Genre sie ihre ökonomische Existenz verdanken, überrascht die Antwort eigentlich nicht. Es soll Kunden geben, die sich bis zu 10 dieser Bänder am Tag ausleihen. Und wer glaubt, bei einem solchen Konsum muss die Produktion stocken, irrt: weit über 4000 Pornofilme werden monatlich (!) allein für den deutschen (!!) Videomarkt produziert.
Grund genug, sich einmal mit der Pornografie als Filmgenre auseinanderzusetzen (und zwar ohne ideologische pc-Brille) und das Phänomen in seinen Erscheinungsformen zu beleuchten. Was ist Pornografie, wie funktioniert sie, wer macht sie? Stehen wir angesichts erotischer Daily Talks und Magazinen im TV bereits vor den Toren “Pornotopias”?
In der vorliegenden Ausgabe der frame 25 findet sich ein 10-seitiger Sonderteil zum Thema mit Portraits, Essays und einem Interview (mit Lilo Wanders, der prominentesten Exponentin bundesdeutscher Fernseherotik).
Der Mittelteil ist dem Filmfest in Pesaro gewidmet, das im Juni stattfand und zu dem die Medienwissenschaft exkursiert ist. Vor allem die Funktion der Filmkritik sollte vor Ort erörtert und deren Praxis geübt werden. Einige Resultate liegen in diesem Heft vor.
Dann hat sich wieder ein wenig geändert. Mehr Seiten - mehr Druckqualität, verändertes Layout und das beliebte Kinoprogramm-Kloposter jetzt als Beilage.
Seit August findet ihr uns auch im Internet unter www.uni-jena.de /frame25. Dort gibt es dann auch das Filmprogramm monatlich zum herunterladen.
Zuguterletzt weise ich noch auf unsere Umfrageaktion hin, die bisNovember stattfindet. Einsendeschluss ist der 1. November. Es lohnt sich: Es gibt tolle Preise zu gewinnen: Kinokarten, Videos und CDs.
Viel Spaß mit der frame25 und terrific Sex wünscht ...


Stefan Höltgen