Sonne, Strand und Meer bei dem italienischen Städtchen
Pesaro denkt jeder sofort an Urlaub. Aber Pesaro hat noch weitaus mehr zu bieten.
Jährlich findet hier im Juni das Montra Internazionale del Nuovo
Cinema statt vielleicht nicht das bekannteste Filmfestival, aber
zweifelsohne eines der bedeutendsten.
1965 riefen Lino Miccichè und Bruno Torri die Monstra Internazionale
del Nuovo Cinema ins Leben, mit der Vorstellung, neu aufkommende Tendenzen
zu unterstützen und den Bekanntheitsgrad von neuen oder ausländischen
Regisseuren (in erster Linie italienischen) zu steigern.
Das Filmfestival bietet jedem nicht nur Filmkritikern oder Journalisten
die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von neuen Kinoproduktionen
zu machen (Bruno Torri, heutiger Präsident des Filmfestivals). Neben
der persönlichen Erfahrung mit dem Kino und der Kritikmöglichkeit
wurde zugleich ein Positivimage für das Kino geschaffen.
Im Laufe der Zeit folgten andere Städte, wie Torino, Bergamo und Rimini
dem Beispiel Pesaros. Im Gegensatz zu anderen Filmfestivals, wie z. B. der Berlinale
oder den Filmfestpielen in Cannes, steht bei der Monstra Internazionale
del Nuovo Cinema nicht der kommerzielle Aspekt im Vordergrund. Für
unbekannte Regisseure bietet das Festival eine Gelegenheit, ihre Filme vorzustellen
und sich in der Kinobranche einen Namen zu machen.
Die Veranstalter legen großen Wert auf die Betonung des kulturellen Status.
So unterliegen die Filme keinen Wettbewerbsregeln. Seit Beginn finanziert sich
das Filmfestival aus Geldern des Staates, der Kommune und der Region. Sponsorengelder
machen nur einen geringen Anteil der Finanzierung aus. Die erstaunlich starke
staatliche Unterstützung beruht auf der Tatsache, dass dem Staat die internationale
Bedeutung des Festivals bewusst ist.
Die Internationalität bzw. der Charakter des internationalen Panoramas
zeichnet sich durch die breite Palette an gezeigten Filmen aus. Chile, Taiwan,
Malaysia, Deutschland, Spanien, Russland, Rumänien und Arabien sind nur
einige wenige Länder, die hier schon vertreten waren.
Größtenteils werden Filme ausgesucht, die die jeweilige Politik bzw.
Kultur des Landes widerspiegeln. Besondere Aufmerksamkeit erfahren politisch
progressive Filme, die sich gegen die Diktatur in ihren Produktionsländern
richten.
Ein weiteres und leicht nachvollziehbares Auswahlkriterium sind einfach gute
Filmproduktionen: Mitte der 80er Jahre wurden hauptsächlich Filme des Asienspezialisten
Marco Müller (Regisseur und heutiger Festivalleiter in Locarno) gezeigt,
da Asien in den Augen der Veranstalter und Direktoren zu dieser Zeit die besten
Filme produzierte. Zwar ist diese Entscheidung sehr subjektiv, aber welche Filme
sich bewähren, zeigt sich letztendlich an den Reaktionen der Zuschauer,
die das Festival besuchen. Für ausländische Filmproduktionen und Künstler
fungiert Pesaro daher nach wie vor als Sprungbrett, um in Europa Fuß zu
fassen.
Den Veranstaltern ist wichtig, dass auf dem Filmfestival nicht eine Vielzahl
von Regisseuren konkurrieren, sondern dass neben kleineren Filmen
der Schwerpunkt auf zwei bis drei weltbekannte Regisseure bzw. Filmproduzenten
gelegt wird. Diese sind dann auch vor Ort und geben Interviews. In diesem Jahr
reichte die Filmpalette von Arthur Penn über Ernie Gehr und Georges Franju
bis Vittorio Gassman.
[KP]