23

Der neunzehnjährige Karl Koch (August Diehl) wird in den achtziger Jahren erwachsen. In dieser Selbstfindungsphase flieht er vor Problemen, indem er sich politisch in der Schülerzeitung und als Schulsprecher engagiert. Die Synchronität der Nachrichtenzitate und seine Recherchen zu R. A.Wilsons Trilogie Illuminatus! lässt den schon recht labilen Karl immer mehr an eine globale Verschwörung glauben. Auf diesem Trip entdeckt er überall die Erkennungszahl des Geheimbundes: 23 und ihr Symbol: eine Pyramide. Mit seinem Freund David (Fabian Busch) geht er mit seinem Amiga und Drogen auf Datenreisen. Lupo (J. G. Kemp) erkennt die Kreativität der Jungen und spielt mit Hilfe von Pepe (D. Landuris) erhackte Daten dem KGB zu. Kann Karl sich vor den Illuminaten durch eine Therapie oder durch ein Geständnis retten? Mit Michael Gutmann schrieb Hans-Christian Schmid das Buch und führte - wie schon bei bei Nach fünf im Urwald - Regie. Trotz sehr gründlicher Recherche erhebt der Film keinen Anspruch auf die wirkliche Wahrheit um Karl Koch. Die recht kurzen Szenen beruhen jedoch auf ähnlichen Tatsachen. Nach der Recherche wurden die Persönlichkeiten der Schauspieler mit eingebracht. August Diehls erste Filmrolle spielt nicht Karl, sondern ist Karl. Die Rückseiten der Großstädte wie Hannover, Helmstedt, Köln und Berlin werden als nichturbaner Mief unbunt dargestellt. So sind die Kostüme und Requisiten in dunklen Tönen gehalten und der Film einer Bleichbadüberbrückung unterzogen. In dieser grauen Umgebung wurden die meisten Szenen mit der Handkamera gedreht, um authentischer zu wirken. Die politischen Hintergründe (Kalter Krieg, Waldsterben, Gaddaffi, Reagan, Grobleben, Brokdorf, Tschernobyl) sind flüssig eingebunden. Außer Child in time von Deep Purple kommen besonders TonSteineScherben-Fans (Rauchhaussong) auf ihre Kosten. Die Endtöne Halt dich an deiner Liebe fest wurden extra für 23 von Freundeskreis neu aufgelegt. Warum Karl Koch im Alter von 23 am 23.5.89 sterben mußte kann auch dieser Film nur vermuten lassen. Die Uraufführung von 23 war im Juli 98 während der Filmfestspiele in München. Der Kinostart ist am 14.1.99. Aus aktuellen Gründen wurde 23 auf dem Chaos Communication Congress 98 in Berlin gezeigt. Er war dem ebenfalls nicht geklärtem Tod des Hackers TRON gewidmet.

23 - Nichts ist wie es scheint
 (D 98)
 Regie: Hans-Christian Schmid.
 Kamera: Klaus Eichhammer.
 Darsteller: August Diehl, Fabian Busch, Dieter Landuris, Jan Gregor Kremp u. a.
 99 Min. Verleih: Buena Vista International

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