Alles Routine

Für Peter ist jeder Arbeitstag der schlimmste Tag seines Lebens. Er arbeitet bei einer Computerfirma, hat acht Vorgesetzte und offensichtlich ein Problem mit TPS-Berichten (glauben zumindest die Chefs). Dabei sind eigentlich die Führungskräfte sein Problem und die der Paranoia nahen Kollegen, von denen ihn nur dünne Pappwände trennen, die das Großraumbüro in eine Art Irrgarten für Mäusewettrennen verwandeln. Auch sein Apartmenthaus gleicht einer an unangenehmem Minimalismus nicht zu übertreffenden Anreihung von Kartons. Peter hat zwar den Wunsch, seinem eigenen Verblassen vorzubeugen, er will nicht nahtlos in das fade Grau des Alltags integriert werden, aber er hat nicht die Kraft dazu. Also unterzieht er sich einer Hypnosetherapie. Noch im Zuge der ersten Behandlung stirbt der Doktor an einem Herzinfarkt, Peter verweilt in dem Zustand, in den er versetzt wurde und erlangt im Trance den Mut zu klarer Einsicht. Er funktioniert nicht mehr, erscheint zur Arbeit wann und wie es ihm passt. Selbst als sein Arbeitsplatz in Gefahr gerät, bleibt er unbeeindruckt und zieht damit paradoxerweise die Personalchefs auf seine Seite, die ihn plötzlich befördern wollen. Seine Freunde Samir und Michael aber sollen entlassen werden - also schmieden sie einen Plan, der die Firma über Jahre hinweg unbemerkt um einige Dollar leichter machen wird. Ein Fehler in der Software vernichtet jedoch den Traum vom leisen Untergang der Firma, der Betrug droht aufzufliegen. Aber da ist ja noch Milton - seit fünf Jahren gekündigt, versehentlich aber bis dato noch Gehalt beziehend. Der duckmäuserische Kundenberater lässt sich von den Chefs an der Nase herumführen und leistet auch dann keinen Widerstand, als sein Lohnstreifen Null anzeigt und er im Keller mit der Behebung einer Ungezieferplage beauftragt wird. Er klammert sich an seinen teuren Tacker, als ihm dieser auch noch entwendet wird, dreht er durch und fackelt den Firmensitz (nach zahlreichen nicht ernst genommenen Vorwarnungen) ab. Damit tut er Peter und seinen Freunden natürlich einen Riesengefallen. Seinem Chef einmal die Meinung geigen, aussteigen aus dem Alltagstrott, sich auflehnen gegen die Norm, das wünschen sich nicht wenige. Also ein dankbares, aber nicht besonders einfallsreiches Thema. Regisseur Mike Judge überzeichnet zwar mit Fingerspitzengefühl eine in der Form Grauen erweckende Tristesse. Emotionen werden im Keim erstickt und vervollständigen die Farblosigkeit des Films. Selbst die sich entwickelnde Liebe zwischen Peter und der Kellnerin Joanne erhält nur die unbedingt notwendige Zuwendung. Routine jedoch hat nichts Aufregendes zu bieten, der Ausbruch daraus missglückt, hier aber hätte angesetzt werden können. Resultat der verpassten Chance ist ein unspektakulärer und nur amüsanter Streifen, allerdings mit einem herausragenden Stephen Root als Milton.

Alles Routine 
 (Office Space, USA 1999) 
 Regie & Buch: Mike Ju dge; 
 Kamera: Tim Suhrstedt
 Darst.: Ron Livingston, Ajay Naidu, uva. 
 Länge: 89 Min.; Verleih: 20th Century Fox 

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