Begegnung des Schicksals

Für den Polizisten Van Den Broeck beginnt der Tag eigentlich sehr angenehm. Er muss später zur Arbeit, auch seine Frau hat noch ein wenig Zeit - die beiden scheinen eine glückliche Ehe zu führen. Für den Abend verabreden sie sich in ihrer Stammkneipe, vorher möchte sie noch ein Radio nur für Wetterdurchsagen für ihren Vater kaufen. Dutch übernimmt die kleine Besorgung für sie. Die im Laden verkündete Nachricht von einem schweren Flugzeugunglück nimmt er nur nebenbei zur Kenntnis. Insgesamt viermal wird er via Medien mit dem Absturz konfrontiert, zuletzt im Lokal. Von hier aus versucht er, seine Frau zu erreichen und erfährt von einem Anrufbeantworter, dass sie in dem Flugzeug saß. Ihr Name jedoch befand sich nicht auf der Passagierliste und auch der angegebene berufliche Grund für ihren plötzlichen Aufbruch ist frei erfunden. Parallel wird die Kongressabgeordnete Kay Chandler vorgestellt, sie ist mitten im Wahlkampf und der zumindest verbalisierten Überzeugung mit ihrem Cullen eine "prima Ehe" zu führen. In der Gewissheit, dass ihr Mann geschäftlich in New York weilt, kann sie sich ruhig und sorgfältig dem Dreh von Werbespots widmen. Was sie nicht weiß: Auch ihr Mann saß in dem verunglückten Flieger nach Miami - neben der Frau von Dutch. Der ist misstrauisch geworden und findet schnell die seit Jahren andauernde Affäre zwischen seiner Frau und dem Anwalt heraus. Es trifft ihn zutiefst und er will das große Warum klären. Was war das letzte in seiner Ehe, das nicht gelogen war? Der Cop nimmt Kontakt zu Kay Chandler auf und verwickelt sie in seine Nachforschungen. Hier wird sehr genau das von einander abweichende Umgehen mit dem Betrogenwerden herausgearbeitet. Kay, die als Frau die Untreue ihres Mannes geahnt hat und dessen Tod einigermaßen gefasst aufnimmt ... Im Gegensatz dazu Dutch, der blind war und sich in seiner Trauer von der Kenntnis dieses Verhältnisses kalt geohrfeigt fühlt. Er sucht die Orte auf, an denen sich beide getroffen haben, stellt unaufhörlich Fragen. Nebenbei arbeitet der interne Ermittler an einem prekären Korruptionsfall und bringt sich anhand der von seinem Schmerz initiierten Überreaktionen sogar in Lebensgefahr. Aber es geht ja um die "Begegnung des Schicksals", das ist natürlich die zwischen Kay und Dutch. Die beiden fühlen sich bald zueinander hingezogen, was sich in einem ersten traurigen Ausbruch verzweifelter Leidenschaft äußert und vielleicht auch Zukunft hat, will sagen: Das Ende ist zwar "happy" aber ergießt sich nicht in schmachtenden Kitschszenen. Man schaut diesen Film wohl eher handlungsorientiert. Entwicklungen werden nicht offenbart, aber sehr fein unterschwellig angedeutet. So durchzieht diesen Film ein zartes aber straffes Band, überflüssige Worte fallen nicht. Ja sogar in den Handlungen der Schauspieler scheint der Minimalismus erprobt werden zu wollen. So aufgebaute Spannung vermag sich nicht zu entladen, es bleibt das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Mit weniger Vorsicht und der ohnehin sehr überzeugenden Darstellungsweise von Harrison Ford und Kristin Scott Thomas hätte der Stoff vielleicht dramatischer oder nur konzentrierter umgesetzt werden können. Das Mischen von Actionfilmelementen mit einer sehr nahegehenden Liebesgeschichte erweist sich wohl nicht als ratsam.

Begegnung des Schicksals
 (Random Hearts; USA 1999)
 Regie: Sydney Pollack; 
 Buch: Warren Adler, Darryl Ponicsan 
 Kamera: Philippe Rousselot 
 Darst.: Harrison Ford, Kristin Scott Thomas, Bonnie Hunt u.a.;
 Länge: 133 Min.; Verleih: Columbia Tristar 

[kom]


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