Cube

Kann man einen Film drehen, in dem jeder Bezug zur realen Umwelt ausgeblendet ist? Denn so sehr ein Film immer eine künstliche Inszenierung ist, ist er doch immer auch die Abbildung eben jener -inszenierten- Realität. Ein Film, der dieses Experiment eingeht, wird wohl schwerlich fesseln können, da der Zuschauer kaum Interesse an einer rein abstrakten, konstruierten Welt hat. In Cube gelingt das Experiment dadurch, dass die Schauspieler ebenso wie der Kinobesucher den inszenierten Raum und seine Logik erst erkunden müssen. Gleichzeitig mit den Schwierigkeiten und Gefahren der neuen Umwelt werden die verschiedenen Charaktere der sechs im Film eingeschlossenen Menschen mit allen Höhen und Tiefen erkundet. Je auswegsloser die Situation, desto weiter öffnet sich der Einblick in die wahre Natur der Menschen. Was als Technikadventure beginnt, endet in einem avantgardistischen Psychothriller, der seine Wirkung nicht aus dem altbewährten erschreck-den-Zuschauer Rezept bezieht, sondern tatsächlich aus der Psyche der Charaktere. Wenngleich manchmal die Gefahr von klischeehafter Darstellung auftaucht, so wird der Film seinem Anspruch gerecht, einen bisher nicht gekannten Raum für das Kino zu öffnen. Nicht zuletzt durch den hervorragenden Soundtrack bleibt Cube seiner Aufmachung als avantgerdistisches Projekt treu. Ein spannend klaustrophobisches Kinoerlebnis

Cube
 (USA 1997)
 Regie: Vincenzo Natali; 
 Buch: André Bijelic und Graeme Manson;
 Kamera: Derek Rogers;
 Darst.: Nicole de Boer, Nicky Guadagni, David Hewlett, Andrew Miller u.a.; 
 Länge: 87 min.; Verleih: Cube Libre

[ST]


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