Verwirrendes Verhalten

Im Zeichen des sogenannten "Teenie-Horrorfilms" bombardierten uns die Hollywood-Produzenten von Scream über I know what you did last summer bis The Faculty mit so einigen Filmen, bei denen untrüglich die zu erwartenden Einnahmen und nicht die Originalität der Story im Vordergrund standen. Dass sich dabei eine "Ästethik der Verachtung" gegenüber der angenommenen Zuschauerschaft herausgebildet hat, ist offensichtlich. Wiesen aber die meisten dieser Streifen zumindest noch ein Quäntchen kausal geschlossener Handlung und einen ironischen Blick auf Lifestyle und Horrorgenre auf, so hat sich das neueste Projekt Dich kriegen wir auch ... des TV-Regisseurs David Nutter ("Akte X" u.a.) selbst solcher Minimalkonfiguration filmischer Ingredenzien entledigt. Was dabei herauskam, ist nicht anders als eine Aneinderreihung von Bildern, die das Prädikat Film kaum noch verdienen, zu bezeichnen. Den Streifen mit dem berüchtigten Plan 9 from Outer Space zu vergleichen, liegt nicht zuletzt der ähnlichen "Story" wegen nahe. Doch täte man dem Regisseur Ed Wood -╩oftmals als den "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" paraphrasiert - Unrecht. Immerhin hatten seine Filme, so dämlich sie auch waren, den Charme eines B-Pictures. Den hat Nutters Film nicht. Erzählt wird eine Geschichte, wie sie sich ein autistischer Schreibautomat hätte nicht schlechter ausdenken können: Setting "Kleinstadt". Eine neue Familie zieht zu. Sie kommt aus Chicago und ist wegen Selbstmordes des ältesten Sohnes traumatisiert aufs Land geflohen. In der neuen Schule gibt es gute und schlechte Teenies. Die schlechten sind schlecht, weil sie Rock-Musik hören, Drogen nehmen und sich abgerissen kleiden; die guten sind gut, weil die Lehrer sie zu gefühllosen Maschinen umoperiert haben. Einzige Nebenwirkung: Wenn die manipulierten Streber an Sex denken, brennen ihnen die Synapsen durch. Weil es sich bei ihnen nun aber ausnahmslos um amerikanische Teenager handelt, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Die Sprosse der Neuzugezogenen können die Verschwörung aufdecken und so 1. ihr Trauma abarbeiten, 2. in die Kleinstadtgemeinschaft integriert werden und 3. das Drama der Adoleszenz mittels kurzem Horror-Initiationsritus hinter sich bringen. Gewürzt wird die Story durch schmollmundige Teeniegirls, ein paar Oberweiten, einen pseudoverrücktes Schulfaktotum und einen lauten Heavy-Metal-Soundtrack. Weil sich diese Zutaten bei ähnlichen Produkten des Subgenres finanziell bewährt hatten, klaubte man sie zusammen, um einen weiteren Kassenschlager zu landen. Herausgekommen ist eine Beleidigung des guten Geschmacks: zu aufdringlich die Klischees, zu schlecht die Schauspieler, zu hirnrissig die Dialoge. Das ästhetische Experiment wird letztlich zum Intelligenztest: Wenn Wir kriegen dich auch ... sein Geld einspielt, beweist das, dass die Produzenten Menschenkenner sind und in Zukunft durch ähnlich dämliche Streifen die Intelligenz ihrer Zuschauer weiter mit Füßen treten können. Kriegen sie uns auch ...?

Wir kriegen dich auch ... 
 (Disturbing Behavior, USA 1998) 
 Regie: David Nutter; 
 Kamera: John S. Bartley; Buch: Scott Rosenberg; 
 Darst.:╩James Marsden, Katie Holmes, Nick Stahl u.a.; 
 Länge: 83 Min.; Verleih: Columbia TriStar 

[Stefan Höltgen]


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