Blutarm und harmlos

Lehrer hatten noch nie einen besonders guten Ruf. Sie sind streng, lassen unangekündigte Arbeiten schreiben und machen ihre Schüler beim Elternabend schlecht. Der Grund für ihr seltsames Verhalten: Die Lehrer sind von Aliens besessen! Das ist auch schon der grobe Inhalt für Robert Rodriguez neuem Film The Faculty (deutscher Untertitel: Trau keinem Lehrer). An der Herrington Highschool wird nach und nach jeder Lehrer mit dem Alien-Virus infiziert. Kleine amphibische Kreaturen nisten sich im "Lehrkörper" ein. Als einen der ersten trifft es den Sportlehrer (Robert Patrick). Von nun an trinkt er auffällig viel Wasser (Aliens brauchen das). Als eine der letzten der Lehrerbelegschaft erwischt es die Schulkrankenschwester (Gastauftritt Salma Hayek, die in keinem Rodriguez-Film fehlen darf). Und nun kann die Jagd auf die Schüler beginnen. Eine Schuluntersuchung wird einberufen. Danach sind alle von Aliens vereinnahmt. Alle? Nein, eine Gruppe von sechs Schülern leistet Widerstand: ein Verlierer, der nun seine große Chance bekommt; eine neue Schülerin, die sich selbst wie ein Alien fühlt; ein Dealer, der verdammt gut aussieht; eine Außenseiterin, die alle für eine Lesbe halten; ein Sport-As, der nicht nur Sport-As sein will und seine Freundin. Das einzige Mittel gegen die Aliens sind Drogen! Aus irgendeinem Grund vertragen das nämlich die Außerirdischen nicht. Wer den Film nun immer noch sehen möchte, dem sei nicht mehr verraten. Sollte er einen würdigen From Dusk Till Dawn-Nachfolger erwarten, wird er aber enttäuscht werden. Robert Rodriguez hat scheinbar nur eine Auftragsarbeit angenommen. Das Drehbuch stammt diesmal von jemand anderem, dem Scream-Autor Kevin Williamson. Und das merkt man leider auch. Die Handlung dürfte jedem bekannt sein, der schon einmal Don Siegels Die Dämonischen oder dessen Remakes gesehen hat. Williamson verschweigt das nicht einmal. Er lässt die Protagonisten sogar über diese Filme sprechen. Doch wie schon in Scream wirken auch hier die Filmzitate aufdringlich bis dämlich. Frage: "Glaubst du wirklich, unsere Lehrer könnten Aliens sein? Genau wie in Die Körperfresser kommen? Und das war nur ein Film, den du dir heute in jeder Videothek ausleihen kannst." Antwort: "Na und! Auch Schindlers Liste kann man sich dort ausleihen und der basiert auf einer authentischen Geschichte." Solche Dialoge werden bestimmt nicht in die Filmgeschichte eingehen. Auch sonst ist die Handschrift von Williamson unverkennbar: Eine Gruppe junger Teenager gerät in Gefahr. Und so können junge gutaussehende zweitklassige Schauspieler zum Einsatz kommen, die ein jugendliches Kinopublikum anlocken sollen. Leider ging das Erfolgsrezept diesmal nicht auf. The Faculty floppte in den USA. Denn ein wichtiges Element fehlt dem Film: die Spannung. Mit dem ersten Opfer fiebert der Zuschauer noch mit. Doch dann wiederholt es sich und Langeweile entsteht. Irgendwann hofft man nur noch auf ein schnelles Ende, egal wie es ausgeht. Das einzig gelungene sind die Spezialeffekte. An einer Stelle des Films bewegt sich ein sprechender Kopf auf einen der Protagonisten zu. Doch gute Spezialeffekte findet man auch in anderen Filmen. Nicht einmal Piper Laurie, die schon in Brian De Palmas Carrie mitwirkte, kann den Film retten. Bleibt einem nur noch, Robert Rodriguez ein glücklicheres Händchen für seinen nächsten Film zu wünschen. Dann sollte er das Drehbuch wieder selbst schreiben.

The Faculty 
 (US 1998) 
 Regie: Robert Rodriguez; 
 Kamera: Enrique Chediak, 
 Buch: David Wechter & Bruce Kimmel; 
 Darsteller: Jordana Brewster, Clea DuVall, Josh Hartnett, Salma Hayek, u. a. 
 107 Min.; Verleih: Kinowelt 

[RH]


© by frame 25, 1998 - 2001