Lieber Lebkuchen essen

Rechtzeitig zu Weihnachten, als sowieso überall Lebkuchen und anderes Leckerzeug rumlag, erschien Robert Altmans The Gingerbread Man in den Videotheken. Der Altmeister so berühmter und hervorragender Streifen wie Short Cuts und Pret--Porter hat sich angeschickt, einen Roman von Thrillerautor John Grisham zu verfilmen. Ein interessantes Unterfangen, wenn man sich vor Augen hält, wie konventionell Grisham und wie unkonventionell Altman (bisher) war. Die Story erzählt vom ruhmreichen und unerbittlichen Anwalt Rick Magruder, der in die erotischen Fangarme einer jungen Frau gerät. Deren Vater ist schizophrenes Mitglied einer Sekte und hat es aus irgendwelchen Gründen auf das leibliche Wohl seiner Tochter abgesehen, wogegen unser Anwalt wiederum Einwände hat. So baut sich ein zwar konventioneller doch recht routiniert gedrehter Thriller auf: Ein Hurricane, der sich daran macht, das Land zu verwüsten, dient als Ambiente für die Story, die gruselig sein könnte, wenn sie nicht so eindimensional wäre. Dies muss man jedoch wohl eher der Feder Grishams als Altman zuschreiben. Letzterer jedoch hätte die Romanvorlage mit ein wenig mehr Eigenständigkeit umsetzen sollen, wozu sicherlich auch zählt, wenn schon diabolische Charaktere zu zeichnen, dies auch konsequent zu tun. Die Figuren verschwinden nämlich nicht einmal hinter den für Grisham sonst typischen Klischees und dümpeln an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit und Albernheit. Schnell wird der Film langweilig. Wenn die etablierte Handlung Verrückter-und-unberechenbarer-Vater-jagt-Tocher-und-Freund dann auch noch nach 90 Minuten durch ein unglaubwürdiges Komplott der Tochter gegen Vater und Freund abgelöst wird und sich so als Erbschleichereistory fast zwanzig Minuten weiterschleppt, bleibt nur noch eine Frage: Warum gerade Robert Altman???

The Gingerbread Man 
 (US 1998) 
 Regie: Robert Altman 
 Darst.: Kenneth Branagh, Robert Downey jr., Daryl Hannah, Robert Duvall, Tom Berenger u. a. 
 Länge: 117 Min, Verleih: Concorde 

[SH & mmm]


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