Jawbreaker?

Was ein Jawbreaker ist? Ein Blick in das Wörterbuch macht einen Kieferbrecher draus. Dass man sich darunter nichts vorstellen kann, ist nicht weiter verwunderlich. Die Zusatzinformation Süßigkeit macht einen auch nicht schlauer ... vielleicht ein Plombenzieher? Nein, viel zu harmlos und auch nicht amerikanisch genug. Es handelt sich tatsächlich um ein überdimensionales Bonbon, quasi einen golfballgroßen Lutscher ohne Stiel - unbegreiflich, dass Kinder sich so etwas in den Mund quetschen sollen - schier unmöglich. Auf jeden Fall erstickt Liz daran. Liz , das ist die Prinzessin Di der Reagan-High, sie ist beliebt, intelligent, schön - einfach vollkommen. Am Morgen ihres 17. Geburtstages wird sie von ihren Freundinnen Courtney, Marcie und Julie gekidnappt und dabei versehentlich getötet. Als sie versuchen, ihre Tat zu vertuschen, werden sie unabsichtlich von Mauerblümchen Fern belauscht. Die abgebrühte Courtney "nimmt sich ihrer an", verspricht, sie zu einer der vier Schönsten der Schönen der High-School zu machen, wenn sie schweigt. Aus Fern wird Vylette, Courtneys Kreation, die sich sehr schnell verselbstständigt und droht, ihren Karrieresprungbrettern den Rang an der Schule abzulaufen. Dem muss natürlich entgegengewirkt werden und der Mord ist auch noch nicht aufgeklärt. Darum kümmern sich Julie, die sich seit der Tat entschieden von ihren "Freundinnen" distanziert (dabei war es doch nur ein Unfall), ihr Lover Zach und eine sehr aufnahmefähige Geburtstagskarte. Was wie ein unnötig in die Länge gezogener Brillenwerbespot anmutet, soll wohl eine Parodie auf den amerikanischen High-School-Alltag sein. Unglücklicherweise gelingt es weder den Darstellern noch den "Experten" hinter den Kulissen dieses Anliegen mit Glaubwürdigkeit zu füllen. Der Jawbreaker als Metapher für die Diven einer Schule, die die Flure als Laufstege benutzen: außen hart, bunt, gefüllt mit Brausepulver - ganz passend ist dieses Bild nicht. Natürlich verdient diese Süßigkeit ihren halsbrecherischen Namen und das mag ihn auch mit den Mädchen verbinden (auch sie vermögen es, dir den Hals zu brechen). Doch niemand ist verpflichtet, sich den Magen mit ungesunden Bonbons zu verderben. Gleichzeitig muss sich niemand auf das Gehabe der angeblichen Schönheiten einlassen, deren Macht nur Fassade ist, die allzu leicht abbröckelt. Und hinter dieser kalten, steinigen Maskerade wartet nicht etwa knisterndes Brausepulver, sondern ein reizloses Girliegemisch aus Schwäche und Oberflächlichkeit. Einfallslos wie der Vorspann (der überaus langweilige Herstellungsprozess eines Jawbreakers wird detaillgetreu nachvollzogen) ist der ganze Streifen. Eine wahrlich durch Leere glänzende Blamage - 87 Minuten gähnend schwarzer Bildschirm wäre spannender gewesen als plumpe Übersteigerung. Aufgewärmte Klischees bedürfen immer noch einer wohldosierten (aber eben vorhandenen) Gewitztheit, um parodietauglich zu werden.

Jawbreaker - Der zuckersüße Tod 
 (Jawbreaker, USA 1999) 
 Regie & Buch: Darren Stein; 
 Kamera: Amy Vincent 
 Darst.: Rose McGowan, Rebecca Gayheart, Judy Greer uva. 
 Länge: 87 Min. Verleih: Columbia Tristar

[kom]


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