Kikujiros Sommer

Takeshi Kitano, der japanische Regisseur, ist eigentlich bekannt für seine Gangsterfilme Violent Cop und Hana-Bi. Doch dass er auch komisch sein kann, zeigen seine Spielshows im japanischen Fernsehen, u. a. Takeshi's Castle. Auch in Kikujiro's Sommer zeigt Kitano seine witzige Seite: "Nach Hana-Bi hatte ich das Gefühl, dass man von meinen Filmen immer nur noch eins erwartete: Yakuza, Gewalt und Tod. So beschloss ich alle zu überraschen, und einen Film zu drehen, der ganz anders sein würde. Ich hoffe, die Erwartungen des Publikums noch lange auf angenehme Weise enttäuschen zu können." Kikujiros Sommer erzählt von der abenteuerlichen Reise eines höchst unterschiedlichen Paares. Der achtjährige Halbwaise Masao, der seine Mutter nie gesehen hat, wächst bei seiner Großmutter in Tokio auf. Seine Freunde sind in den Ferien. So macht sich der kleine Masao auf die Suche nach seiner Mutter. Eine Bekannte schickt ihren nutzlosen Mann Kikujiro, einen grossmäuligen Kleinganoven (von Takeshi Kitano selbst verkörpert) als Aufpasser mit, der seinen Schützling gleich auf die Radrennbahn schleppt und dessen ganzes Geld verwettet. Fortan erlebt das ungleiche Duo die seltsamsten Abenteuer und unerwarteten Begegnungen, da Masaos Aufpasser von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Fast Chaplin-like und mit dem Gesicht eines Buster Keaton vermischen sich die "Slapstick"-Einlagen mit Kitanos absurdem Humor: Da ertrinkt er beinahe in einem kleinen Hotelswimmingpool, scheitert erbärmlich bei seinen Versuchen als Anhalter und legt sich mit einem LKW-Fahrer an, dessen LKW er vorher demolierte. Dem Humor steht die Poesie des Films gegenüber, die sich vor allem aus der melancholischen Aura der beiden Hauptdarsteller entwickelt: hier der stille, immer etwas bedrückt wirkende Masao, dort der grobschlächtige Kikujiro, hinter dessen aggressiver Fassade ebenfalls Einsamkeit hervorbricht. So steht am Ende der sich vorsichtig entwickelnden, aber nie ausgesprochenen Sympathie zwischen den beiden die Hoffnung auf eine Freundschaft, die die Reise überdauert. Eine Reise, die Joe Hisaishi mit einem melancholisch bis traurig wirkenden Soundtrack begleitet und zu der Kameramann Katsumi Yanagishima leuchtende "Sommerbilder" liefert, die den Zuschauer an den Gefühlen der Protagonisten teilhaben lässt. Kitanos Film beweist, dass die Wirklichkeit magisch sein kann, wenn man nur weiß, wie man sie anpacken muss. Welche Rolle dabei ein kleines Engelsglöckchen spielt, sollte jeder selbst herausfinden.

Kikujiros Sommer 
 (Kikujiro no natsu, J 1999) 
 Regie & Buch: Takeshi Kitano; 
 Kamera: Katsumi Yanagishima 
 Darst.: Beat Takeshi, Yusuke Sekiguchi uva. 
 Länge: 121 Min.; Verleih: Senator

[GH]


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