L.A. without a map
without a plan?

Der neue Film vom kleinen Bruder Aki Kaurismäkis, Mika, zeigt die Geschichte des jungen Schotten Richard, von ihm selbst rückblickend erzählt als Stimme aus dem Off. Es ist die Geschichte einer Irrfahrt nach Los Angeles einer Frau wegen, in die er sich Knall auf Fall verliebt hatte. Barbara, die Schauspielerin, "eigentlich Kellnerin" aus Amerika ist auf der Durchreise für ein paar Stunden in Suffolk. Ob sie die Zeit bis zur Weiterreise mit Richard verbringen sollte, muss sie erst mit ihrem toten Vater beratschlagen. Dessen Bescheid fällt positiv aus und so sehen wir die beiden vergnügt durch den Regen radeln und sich am Ende eines romantischen Tages küssend verabschieden. Richard bleibt unglücklich zurück und erst "Dead Man" Johnny Depp bringt ihn auf die Idee, Barbara nach L.A. zu folgen. Die findet das zwar rührend, aber nicht unbedingt notwendig. Es kommt wie es kommen muß. L.A. ist schließlich kein schottisches Kaff und die beiden müssen sich irgendwie durchschlagen. Barbara kann auf die "Geschäftsbeziehung" zu dem ebenso schmierigen wie dümmlichen Jungregisseur Patterson nicht ganz verzichten und Richard betätigt sich vorerst als Poolreiniger. Schließlich heiraten sie eher spontan als überzeugt in einer "Wedding-Chapel" am Freeway, was ihr Zusammenleben jedoch nicht einfacher macht. Bis Barbara zu der Erkenntnis kommt, Richard wäre einfach nicht "L.A. enough", viel zu eifersüchtig und gar nicht cool, so dass sie ihn fallen- und nach Schottland zurückfliegen lässt. Was den Film trotz witziger Einfälle, wie dem Auftritt der Leningrad-Cowboys und dem Erscheinen Johnny Depps in drei Rollen, dennoch eher mittelmäßig daherkommen lässt, ist die oft genug fehlende Konsequenz. So sind viele Details nicht schlüssig und legen den Verdacht auf mangelndes Interesse und eine gewisse Lieblosigkeit seitens des Finnen nahe. Statt sich intensiver auf die sehr gut besetzten Figuren zu konzentrieren, belastet Kaurismäki die Geschichte mit dem Versuch einer Hollywoodsatire, die ziemlich fade und altbekannt ausfällt. Die Albernheiten und das Geschwafel der Filmleute sind lange nicht so herrlich nervig wie in Woody Allens "Celebrity" und die Machenschaften und Intrigen weit harmloser als es uns Tim Robbins als "The Player" glauben machen konnte. Einzig Vincent Gallo als Poolreiniger Moss, der zwar unglaublich cool, aber trotzdem ein Loser ist, erweckt echtes Interesse. So wünscht man mehr als einmal, die Kamera würde lieber ihm in L.A. als Richard auf den heimischen Friedhof folgen. Am Ende fragt man sich, was Richard eigentlich aus seiner Odyssee gelernt hat. Sein Drehbuch vom "feuchten Selbstmord" wird nun doch von Hollywood verfilmt und somit die desillussionierte Rückkehr des Helden, mit der man sich als Zuschauer schon abgefunden hatte, auf den Kopf gestellt. Und auch Barbara steht plötzlich wieder auf dem Friedhof. Ihre hoffnungsvolle Erklärung, dass ja auch in Schottland Filme gedreht würden, drängt jedenfalls die Frage auf, ob denn Barbara "Suffolk enough" sein wird. Die Antwort ergibt sich eigentlich von selbst.

L.A. without a map 
 (GB/FR/SF 1998) 
 Regie: Mika Kaurismäki, 
 Buch: Richard Rayner/ Mika Kaurismäki, 
 Kamera: Michel Amathien 
 Darst.: David Tennant, Vinessa Shaw, Vincent Gallo, Julie Delpy, Johnny Depp u.a. 
 Länge: 106 Min, Verleih: TiMe. 

[NS]


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