Liebe deine nächste!

Josefine und Isolde, beide "Soldatinnen Gottes" werden von ihrer Zentrale abkommandiert, um eine abgewrackte Berliner Station zu "sanieren". Ihr Auftrag: "In die Kälte der Großstadt Wärme bringen." Tristan, ebenfalls Sanierer von Beruf, bekommt den Auftrag unrentable Firmen zu besuchen und deren Belegschaft mit unkonventionellen Methoden zu reduzieren. Analog zu diesen Methoden, bedient er sich an den Frauen, in seiner ganz eigenen, machterfüllten Art. Vor diesem Hintergrund scheinen Josefine und Tristan wie füreinander geschaffen. Erster Treffpunkt im Zug auf dem Weg in die sanierungswürdige Hauptstadt - die sich als wahrer Vorhof der Hölle entpuppt. Selbstverständlich begegnen sich die zwei auch in der Millionenmetropole. Doch Josefine offenbart sich in Tristans Eroberungsplänen als schwer einzunehmende Festung. Dank seiner materiellen Ressourcen spendet er jedoch großzügig für die Armen und so darf er sich als Belohnung der wahrhaftigen Gottestochter bemächtigen. Frei nach dem Zitat: "Dich krieg ich auch noch". Solch eine Motivation stößt verständlicherweise auf Ablehnung und so bleibt am Schluß nur das Desertieren vor den göttlichen Aufgaben. Detlef Bucks neuester Film Liebe Deine Nächste! bestätigt leider die bereits nach Männerpension geäußerte Vermutung: Buck taucht in Seichtes ab. Das oberflächliche, bisweilen schlampige Umgehen mit seinen Charakteren und den Details, erweist sich als auffallendster Schwachpunkt. Bedauernswert deshalb, da Karnickels und Wir können auch anders (Bucks frühen Werke) in diesem Punkt gerade ihre Stärke besitzen. In Liebe Deine Nächste! wird man das Gefühl nicht los, dass hier etwas schnell abgedreht wurde, um dann alles am Schneidetisch herauszuholen. In Ermangelung eines Ruhepols werden selbstverliebte Bilder eingeschoben und sich an Oberflächlichkeiten gütlich getan. Die Hauptakteure Josefine (Lea Mornar), Tristan (Moritz Bleibtreu) und Isolde (Heike Makatsch) überstrahlen sämtliche Nebenrollen und degradieren sie so zu Erfüllungsgehilfen. Eindeutiges Zeichen für ein schwaches Konzept. Es erscheint, als benötige Buck die Provinz um seinen Dialekt sprechen zu können. In der Hoffnung, dass er nicht am Potsdamer Platz in Berlin wohnt.

Liebe Deine Nächste! 
 (D 98) 
 Regie: Detlev Buck. 
 Kamera: Joachim Berc. 
 Darsteller: Lea Mornar, Moritz Bleibtreu, Heike Makatsch u. a. 
 96 min. Verleih: Delphi 

[TR]


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