Der Mondmann

Milos Forman erzählt die Geschichte des Selfmade-Comedian Andy Kaufman, der in den späten 70-er und frühen 80-er Jahren in Amerika zu einigem Ruhm gelangte, obwohl oder gerade weil er sich keinem Unterhaltungs-Schema und schon gar nicht den Wünschen des Publikums anpasste. Äußerlich zeigt sich der Film als Biografie, die chronologisch die Stationen im Komikerleben Kaufmans abhandelt. Wir sehen Andy als etwas merkwürdiges Kind, als belächelten Kleinkünstler, dann als entdeckten Komiker, der sowohl begeistert als auch provoziert und schließlich erleben wir seinen Krebstod im Alter von 35 Jahren und die bewegende Beerdigung. Forman begnügt sich jedoch nicht mit dem Nacherzählen, sondern macht sich die Widersprüchlichkeit und Sperrigkeit der Auftritte Kaufmans zu eigen. Er versteht es, das Kinopublikum ebenso zu schockieren und zu provozieren, wie es Kaufman mit seinen Zuschauern tat. Man schwankt zwischen Sympathie und Verachtung, Glaube und Zweifel, weil Forman die Verwirrung zum Prinzip erhebt und darauf verzichtet, aus Kaufman einen Helden und aus dem Filmstoff leicht konsumierbare Unterhaltung zu machen. Die Gags sind so angelegt, dass das Lachen im Hals stecken bleibt, etwa wenn Kaufman in einer Show, statt Witze zu erzählen, den "Großen Gatsby" von vorn bis hinten vorliest und alle zum Einschlafen bringt, oder wenn er in "Inter-Gender-Wrestling"-Kämpfen insgesamt an die 400 Frauen verprügelt und obendrein beschimpft. Ernstgemeinte Publikumsbeschimpfung oder alles nur Show? Getragen wird diese Hommage an Andy Kaufman nicht zuletzt durch die hervorragende Wahl der Schauspieler. Jim Carrey spielt den unbequemen Komiker mit beeindruckender Intensität, Danny DeVito, selbst ehemaliger Kollege von Kaufman bei der Sitcom ‘Taxi', gibt nun den ebenso begeisterten wie geplagten Förderer George Shapiro und Courtney Love spielt sehr zurückhaltend Andys Freundin Lynne. Die nicht selten geübte Kritik, Forman würde auf eine genauere psychologische Sicht auf den Menschen Kaufman verzichten, wird in ihrem Bemühen, den Film geringzuschätzen, zum ungewollten Lob. Denn gerade das völlige Fehlen von Sentimentalität macht aus dem Film mehr als eine Komödie. Und das Mittel der Täuschung, das Versteckspiel der Figuren, lässt erst das Interesse an diesem zwiespältigen Mann entstehen, der mehr war als die Summe seiner Provokationen. Wer mit diesem Film nur unterhalten werden möchte, der wäre mit einer der zahlreichen heutigen Comedy-Shows im Fernsehen besser bedient. Denn letztendlich ist die Unterhaltung, die heute geboten wird, dem Kaufman‘schen Verständnis näher, als es je der brave Humor seiner Zeitgenossen war. Allerdings, wenn er nicht mit 35 Jahren (1984) gestorben wäre, vielleicht würde Kaufman heute ebenso unverstanden durch irgendwelche Clubs tingeln. Aber wer weiß, ob nicht auch sein Tod eine einzigartige Inszenierung war und Andy Kaufman als sein exzentrisches alter Ego Tony Clifton noch unter uns weilt. Der Film jedenfalls lässt auch diese Möglichkeit offen.

Man on the Moon 
 (USA 1999) 
 Regie: Milos Forman; 
 Buch: Scott Alexander & Larry Karaszewski; 
 Kamera: Anastas Michos; 
 Darst.: Jim Carrey, Danny DeVito, Courtney Love; 
 Länge: 102 Min.; Verleih: Concorde

[NS]


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