Pünktchen und Anton V2.0

Dem quirligen Pünktchen scheint nichts zu fehlen: Sie ist vernarrt in ihr Kindermädchen, ihre Eltern sind berühmt und reich. Die Mutter, die ihre repräsentativen Aufgaben im Ausland sehr ernst nimmt, schenkt ihrer Tochter aber eindeutig zu wenig Aufmerksamkeit. Antons Mutter hingegen ist arm und schwerkrank, aber ihren Sohn vernachlässigt sie nicht. Sie bräuchte dringend eine Kur am Meer. Die aber kostet aber 1000 Mark. Um diese zu verdienen und zu verhindern, dass die Mutter ihren Job verliert, springt Anton für sie ein und kellnert in der italienischen Eisdiele. Natürlich ist der Junge überfordert. Notwendigerweise nutzt er die Schule, um sich von den Strapazen zu erholen. Immer wieder schläft er im Unterricht ein. Für Pünktchen ist klar: Anton braucht ihre Hilfe. Sie entschließt sich, Geld für ihn zu sammeln und schmettert in Lumpen gekleidet ihre Lieblingslieder in einer Münchner U-Bahnstation. Ihre Eltern zeigen dafür und für die Freundschaft zwischen den beiden zunächst kein Verständnis. Caroline Link hat Erich Kästners Kinderroman "Pünktchen und Anton" neu verfilmt. Die "Dicke Berta" ist noch die Alte. Aus dem Kinderfräulein Andacht wurde das französische Au-Pair Laurence, der Papa ist nicht mehr Spazierstockfabrikant, sondern vielbeschäftigter Herzchirurg und auch die Schauplätze haben sich verändert: aus Berlin wurde München. Ach ja und das zehnjährige Pünktchen, alias Luisa Pogge spricht Englisch: "Maybe you want to make a Purzeltree." Natürlich handelt es sich hier um eine märchenähnliche Geschichte. Und natürlich nimmt sie ein gutes Ende. Man könnte es der Regisseurin ankreiden, aber warum? Was ist so negativ an einem positiven Ausgang? Vor allen Dingen, wenn sich der Film in erster Linie an ein junges Publikum richtet. Die Hauptdarsteller, deren kindlicher Charme gepaart mit spritzigen Dialogen, überzeugen; Juliane Köhler in der Rolle der schönen, manchmal doch etwas nervenden, zur Hysterie neigenden Mutter, Sylvie Testud als flatterhaftes Kindermädchen ... Caroline Link hat die Auswahl wieder einmal sehr sorgfältig getroffen. Eine Erzählung über die Klassengesellschaft von 1931 in die 90er Jahre zu adaptieren war, zugegeben, ein riskantes Unterfangen. Glücklicherweise hat es die "Jenseits der Stille"-Macherin gewagt. Denn sie hat gewonnen.

Pünktchen und Anton 
 (BRD 1999) 
 Regie: Caroline Link; 
 Drehbuch: Caroline Link; 
 Darst.: Elea Geissler, Max Felder, Juliane Köhler, Sylvie Testud, Merit Becker, August Zirner, Gudrun Okras, Benno Führmann; 
 Verleih: Buena Vista; Länge: 109 min 

[kom]


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