Abriss der Mafiosoanalyse

Eigentlich ist der Zahnstocher an allem schuld. Der ist nämlich der Auslöser für Paul Vitty (Robert de Niro), sich seiner selbst anzunehmen. Paul Vitty ist einer der angesehensten Mafiabosse der New Yorker Unterwelt, der dafür bekannt ist, ohne zu zögern hart durchzugreifen. Doch als er, nur um sich einen Zahnstocher zu besorgen, knapp einem Attentat entgeht, fühlt er sich mehr und mehr von Selbstzweifeln geplagt. Sein Seelenleben ist aufs heftigste angegriffen, unter anderem, weil ihn der beim Attentat umgekommene Manetta wie seinen eigenen Sohn behandelt und ihm die fehlende Vaterfigur ersetzt hat. Das wird ihm jedoch erst später deutlich. Vor allem einer macht ihm das klar: Ben Sobol (Billy Crystal), ein mehr oder weniger erfolgreicher Psychoanalytiker, der sich der großen und kleinen Sorgen und Nöte der New Yorker annimmt (diese Stadt ist seit Woody Allen schließlich dafür prädestiniert). Die beiden kommen über Paul Vittys Bodyguard und Berater Jelly (Joseph Viterelli) zusammen. Es folgen Therapiesitzungen, zu denen Sobol eher gedrängt werden muss, aber Waffen und Geld wirken zunächst auch bei ihm. So verschafft Vitty sich Gehör, auch wenn sich der Therapeut gerade mal auf Hochzeitsreise mit seiner Freundin Laura (Lisa Kudrow) befindet. Die "Beratungsgespräche" bleiben nicht folgenlos. Der New Yorker Polizei ist bekannt, dass in der nächsten Zeit ein Treffen der Großen der New Yorker Unterwelt stattfinden wird. Also verfolgen sie Sobols Spur, um über ihn an Informationen zu kommen. Im Laufe des Films wird deutlich, dass die Protagonisten mehr gemeinsam haben, als sich zunächst erahnen lässt: Beide haben das Erbe ihrer Väter angetreten, jeder in seinem Metier. Beide kommen damit nicht klar. Höhepunkt des Films ist demnach ein Dialog zwischen den beiden, der sich um den schweren Verlust des Vaters seitens Paul Vitty dreht. Anstatt jedoch in psychoanalytische Freud«sche Details zu verfallen, werden sie gekonnt mit Humor in dieser Krimikomödie dem Genre gerecht werdend umgesetzt. Der Film lebt von seinen Darstellern; Robert de Niro ist einfach köstlich, als er seinem Analytiker sein Lob ausspricht. Ebenso amüsiert Billy Crystal, wenn er seinem Vater zu erklären versucht, warum seine Hochzeit für ihn wichtiger sein sollte als Buchbesprechungen, an denen dieser als landesweit bekannter Psychiater statt dessen teilnehmen möchte. Trotz allem bleibt zum Schluss die Frage, ob nicht doch alles zu glatt gegangen ist. Die Bösen sind zwar hinter Schloss und Riegel, aber eigentlich nur, um ihrem Namen gerecht zu werden. Denn der Film präsentiert sie uns eigentlich als nette, teilweise leicht dümmliche "Jungs von nebenan". Aber auf jeden Fall amüsiert der Film wunderbar mit seinen witzigen Dialogen, insbesondere seinen Anspielungen auf psychoanalytische Klischees und der Mimik und Gestik der Darsteller.

Reine Nervensache 
 (Analyze This, US 1999) 
 Regie: Harold Ramis; 
 Kamera: Stuart Dryburgh; 
 Buch: Peter Tolan, Harold Ramis, Kenneth Lonergan; 
 Darst.: Robert de Niro, Billy Chrystal, Lisa Kudrow, Kyle Sabihy u. a.; 
 Länge: 103 Min.; Verleih: Warner Bros.

[kom]


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