Summer of Sam
Spike Lees jüngster
Film ist eine Hommage an die 70er Jahre, angereichert mit sämtlichen Attributen,
die mit diesem Zeitalter verbunden werden: Disco-Musik, ABBA-Songs, Haar-Pomenade,
Punk-Bewegung, Schlaghosen und Glitzerkostümen. Kritiker warfen dem Regisseur
vor, dass er sich ausschließlich auf den Entwurf des Zeitbildes konzentriert
hätte, dabei aber die Geschichte vernachlässigen würde. Der Einwand
ist berechtigt. Nur genau deswegen ist Summer of Sam ein absolutes Seh- und
Hörvergnügen. Wenn anfangs Vinny mit seiner Frau Dionna einen Club
besucht, die Kamera die beiden vom Eingang bis zur Tanzfläche in einer
einzigen Fahrt begleitet, Musik aus den 70ern aus den Lautsprechern dröhnt,
Vinny und Dionna geschmeidig zum Rhythmus dieser Musik tanzen, erreicht der
Film eine unglaubliche Dynamik, die den Zuschauer in seinen Bann zieht. Ohne
eine Handlung würde Summer of Sam allerdings nicht funktionieren. Als Leitfaden
dient die wahre Geschichte des Serienkillers Sam, der 1977 die Bewohner New
Yorks in Angst und Schrecken versetzte. Bereits in der Eingangsszene wird Sam
dem Zuschauer präsentiert. Spike Lee legt seinen Film nicht als Whodunit
an, bei dem die Suche nach dem unbekannten Täter im Vordergrund steht.
Er benutzt Sam lediglich als MacGuffin, der nur die Funktion hat, alle weiteren
Figuren des Films einzuführen und ihre Reaktionen auf Sams Untaten zu zeigen
und gleichzeitig für einen kurzen Zeitraum das Leben dieser Leute zu schildern:
Vinny betrügt ständig Dionna; sein Freund Ritchie verdient sein Geld
als Stricher; Bobby, ein Nachbar, versucht mit einigen Freunden Sam im Alleingang
zu stellen. Summer of Sam arbeitet mit Versatzstücken aus anderen Gangster-Filmen.
Auch hier gibt es die freundlichen italienischen Einwanderer, die mit der Mafia
Geschäfte betreiben oder die Handlanger, die nicht sehr intelligent sind,
dafür aber umso brutaler ihre Ziele durchsetzen.
Summer of Sam fällt aus dem Kanon der bisherigen Werke Spike Lees heraus,
da er ausschließlich im weißen Milieu angesiedelt ist und nicht
beabsichtigt, historische Ereignisse filmisch aufzuarbeiten (wie in Malcom X).
Summer of Sam USA 1998 Regie & Buch: Spike Lee Kamera: Ellen Kuras; Musik: Terence Blanchard Darst.: John Leguizamo, Adrien Brody, Mira Sorvina u. a. Verleih: MFA; Länge: 141 Min.
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