Sweet and Lowdown

Emmet Ray der "zweitbeste Gittarist der Welt", strotzt vor Eitelkeiten, er präsentiert das typische Klischee des Rockstars: ein selbstverliebter Trinker und rüpelhafter Macho. Das Einzige was und wen er fürchtet ist Django Reinhard "den besten Gittaristen der Welt". Vor ihm fällt er schon mal in Ohnmacht oder flieht von der Bühne oder tritt erst gar nicht auf wenn Django kommt. Man glaubt einem authentischen Fall beizuwohnen, zu realistisch sind Berichte und Geschichten der Jazzexperten (Woody Allen höchstpersönlich) über Emmet Ray (Sean Penn). Wer Zelig (USA 1982) oder Broadway Danny Rose (USA 1984) kennt weiß, dass Allen eine Vorliebe für semi-dokumentarische Größen hat, kann er sie doch meisterhaft mit seinen eigenen Schrullen porträtieren. Ohne Frage Sweet and Lowdown ist eine Hommage an die Swingära, aufwendig und großartig ausgestattet in schwelgenden Bildern inszeniert. Die wenigen Jahre, die Emmet Ray in der Szene verbrachte, sind schnell erzählt. Ein stummes Mädchen namens Hattie (Samantha Morton) gerät nach einem zweifelhaften Deal an Emmet. Aus einer kurzen Affäre entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung. Die Sprachlosigkeit Hatties erweist sich für Emmet als nützlich, braucht er doch seine Eskapaden nicht in endlosen Reden zu begründen. Die Trennung der beiden wird über den Off lapidar erwähnt. Blanche (Uma Thurman), tritt an Hatties Stelle. Die pseudointellektuelle Schriftstellerin, nutzt Emmet für ihre Zwecke aus fasst sie doch sein Talent in aberwitzige Worte. Es ist abzusehen, dass auch diese Beziehung zerbrechen muss. Emmets Versuch, Hatti wieder zurückzugewinnen, scheitert. Sweet and Lowdown widerspricht der hollywoodreifen Inszenierung. Anstatt die schmerzhaften Ereignisse ausgiebig ins Bild zu setzten, wird nur berichtet, dass Emmet Rays Musik sich nach diesem und jenem Ereignis verändert hat. Einzig die Musik erlaubt uns, Emmet ins abgeschottete Herz zu schauen. Harte Schale und weicher Kern werden nicht melodramatisiert was dem Film zu viel Gelassenheit und Leichtigkeit verhilft. Die Verliebtheiten Allens in die 30er Jahre sind wahrhaftig und echt. Dank des fabelhaften Schauspiels ahnt man, wie es damals - zur Zeit des Swings - gewesen sein muss.

Sweet and Lowdown
 (USA 1999) 
 Regie & Buch: Woody Allen; 
 Kamera: Fei Zhao; 
 Musik: Dick Hyman; 
 Darst.: Sean Penn, Samantha Morton; Uma Thurman 
 Länge: 95 Min.; Verleih: Arthaus 

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