The Mighty

The Mighty erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zweier Jungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die anfänglich gehegte Skepsis beider gegeneinander, weicht sehr rasch einer wechselseitigen vorurteilsfreien Akzeptanz und Achtung voreinander. Die Jungen finden durch ihre gleichberechtigte Partnerschaft zu sich selbst, ihre gemeinsame Stärke, die Kraft ihrer Freundsschaft ermöglicht ihnen die Erfahrung des Selbsvertrauens, des "Sich Behauptens" in einer für sie zunächst problembeladenen Welt. Unterschiedlichste Faktoren bedingen die Existenz jedes der beiden Jungen am Rande der Gesellschaft. Ihre gelebte Ohnmacht gegen verschiedenste soziale Repressionen lassen beide im Verlauf ihrer Freundschaft hinter sich, an ihre Stelle tritt ein Bewusstsein ihrer eigenen Stärken und Vorzüge, die Akzeptanz der eigenen Person und damit die Erfahrung, sich als Persönlichkeit einen anrechtmäßigen Platz in der Gesellschaft zu schaffen. Max Kane (Elden Henson) ist ein 13-jähriger, aufgrund seiner körperlichen Korpulenz einsamer, ungeliebter und schüchterner Junge. Er besucht die siebte Klasse zum wiederholten Mal, ein Umstand, der ihm Hohn und Spott seiner Mitschüler sichert. Max hat keine Freunde, er ist dem Mobbing der Doghouse-Boys, einer Clique von Mitschülern, schutzlos ausgeliefert. Er setzt sich weder gegen die Demütigungen seiner Mitschüler noch gegen sonstige ihm widerfahrende Ungerechtigkeiten zur Wehr. Er vermeidet Auseinandersetzungen um den Preis der Selbstachtung. Max ist allein auf der Welt, er hat niemanden - bis Kevin Dillon in das Nachbarhaus einzieht. Kevin Dillon (Kieran Culkien) ist in Max‘ Alter. Er ist überragend intelligent, wissbegierig, besitzt eine schnelle Auffassungsgabe und verfügt darüber hinaus über technisches Geschick sowie über eine seinen Alltag bereichernde Phantasie. Durch einen Geburtsfehler leidet er an einer starken Verkrümmung seines Rückgrats. Seine lebendige Imaginationskraft hilft ihm, seine körperliche Unzulänglichkeit zu akzeptieren. Kevins Stärke ist sein Intellekt. Bewundernswert locker meistert er im Umgang mit anderen in ironisch-witziger Manier jegliche Befangenheit bezüglich seiner schwerwiegenden Erkrankung. Die beiden werden Freunde und überwinden so gemeinsam ihre Außenseiterposition. Sie lernen, sich für sich selbst, füreinander und für ihre Mitmenschen einzusetzen. Sie bilden ein Gespann, das sich im Sinne der in der König Artus-Sage proklamierten ritterlichen Tugenden "zu den Schwachen gütig, aber zu den Bösen unbarmherzig" gebärdet. Max macht sich für Kevin stark und Kevin lehrt Max Courage. Jeder kompensiert die Schwächen des anderen. Anfangs sind Max und Kevin nur in ihrer symbolischen "Reiter-Pferd-Verbindung" stark, doch die ihre Freundschaft konstituierenden Grundwerte wirken in jedem einzelnen Jungen weiter. Sie meistern gemeinsam schwierige Situationen und ihre Freundschaft muss einer harten Bewährungsprobe standhalten. Die anfängliche Symbiose entlässt Max in die Selbstständigkeit und verschafft Kevin für den letzten Abschnitt seines Lebens einen Freund, löst ihn aus seiner bis dahin währenden Isolation und Einsamkeit; Kevin erfährt Anerkennung, wird von Max für voll genommen - er macht das erste Mal die Erfahrung einer Freundschaft, umgekehrt gilt das Gleiche. Peter Chelsoms Film basiert auf der Vorlage eines Kinderbuchs von Rodman Philbrick. The Mighty ist ein (im Wortsinn) eindeutiges, eine spezifische Moral hochhaltendes Lehrstück für nicht mehr ganz kleine Kinder. Daher betrübt die Tatsache, dass Chelsoms humanistisches, zu Toleranz, Kooperation und Akzeptanz aufrufendes Plädoyer an einer allgegenwärtigen, eindimensionalen Exegese krankt. So bleibt auch für jüngere Zuschauer kein Raum für eigen-ständige Interpretationsansätze oder gar Handlungsspielraum für Auslegungen, die den latent vorgegebenen Rahmen des Films verlassen möchten. Die der Freundschaft der beiden Jungen zugrundeliegende Handlungs-allegorese des höfischen Artusromans widerfährt eine zu eindringlich eindeutige filmische Ausdeutung, was zur Folge hat, dass auch der letzte Funken eines nicht nur für Kinder zaubervollen geheimen Sinns unweigerlich erlischt. Dagegen ist selbst der in vielen Szenen diesbezüglich rettend einspringende, mittelalterlich kraftvolle Soundtrack von Trevor Jones machtlos.

The Mighty
 (USA/England 1998)
 Regie: Peter Chelsom, 
 Kamera: John de Borman, 
 Darst.: Elden Henson, Kieran Culkien, Sharon Stone, Gena Rowlands, Harry Dean Stanton, Gillian Anderson, James Gandolfini, Meat Loaf 
 Länge: 100 Min., Verleih: Scotia 

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