The Virgin Suicides

Michigan, vor 25 Jahren. Die Lisbons leben mit ihren fünf Töchtern in einer idyllischen Kleinstadt. Hier, wo die Bewohner sich untereinander kennen, fällt es besonders auf, wenn jemand einen Selbstmordversuch verübt. Cecilia, die 13jährige Tochter der Lisbons, schneidet sich zum Entsetzen ihrer Eltern die Pulsadern auf. The Virgin Suicides rekonstruiert die Ereignisse aus der Sicht der Nachbarjungen, die nie verstehen werden, warum sich schließlich alle Lisbon-Töchter das Leben nehmen. Mittels Voice-Over lassen die Jungen den Zuschauer an ihrer Gedankenwelt teilhaben, und nehmen das Ende des Films gleich in den ersten Sätzen vorweg. Und so versucht auch der Zuschauer nach Gründen zu suchen, die zum späteren Tod der Mädchen führen könnten. The Virgin Suicides deutet mögliche Ursachen nur an, nie wird klar, was sich wirklich im Lisbon-Haus zugetragen hat. Es gibt keine einzige Szene, die ein Gespräch unter den Geschwistern zeigt. Die Geschichte wird u.a. aus Zeugenaussagen ihrer damaligen Liebhaber zusammengetragen.
Sofia Coppolas Filmdebüt wirkt beim Betrachten wie ein Traum. Die Musik der französischen Band Air hypnotisiert, einige Szenen entpuppen sich als Phantasien der Protagonisten, die Bilder sind häufig mit Weichblende aufgenommen. Kunstvoll wird die Handlung in die 70er Jahre verwoben, ohne zu einer bloßen Requisitenschau zu verkommen. Und James Woods, der den Mr. Lisbon verkörpert, präsentiert eine weitere Facette seines Rollenrepertoires. Wer ihn bisher als knallharten Polizisten kannte, wird ihn als unterwürfigen stets um Höflichkeit bemühten Familienvater kaum wiedererkennen.

The Virgin Suicides
(USA 1999)
 Regie & Buch: Sofia Coppola; Kamera: Edward Lachmann
 Darst.: Kirsten Dunst, Josh Harnett, Hanna Hall, Chelse Swain u. a.
 Verleih: TiMe; Länge: 97 Min.

[RH]


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