The war zone

Der 15jährige Tom, der mit seiner Familie an einem einsamen Küstenstreifen im Südwesten Englands lebt, hat den Verdacht, dass sein Vater seine 18jährige Schwester missbraucht. Dem Schauspieler Tim Roth (Pulp Fiction) gelingt es, in seinem Regiedebüt eine Bildsprache zu entwickeln, die es erlaubt, das Thema Inzest so "neutral" wie möglich umzusetzen. Gängige Stereotypen werden vermieden, der Film deutet bestimmte Sachverhalte nur an. The War Zone wird aus der Perspektive Toms erzählt. Mit seinen Augen sieht auch der Zuschauer. Nur einmal, als Tom seine Schwester mit seinem Vater im Bad beobachtet, bleibt die Kamera außen vor. Ein dramaturgischer Kunstgriff des Regisseurs: Indem der Zuschauer nicht weiß, was wirklich im Bad passiert, kann der Verdacht des Kindesmissbrauchs immer noch widerlegt werden. Dem Zuschauer bleibt Raum für Spekulationen. Erst viel später erfährt er die Wahrheit. Ein Film, dessen eindringliche Bilder noch lange nach dem Kinobesuch im Gedächtnis bleiben.

The War Zone
 ( GB 1998)
 Regie: Tim Roth;
 Buch: Alexander Stewart;
 Kamera: Seamus McGarvey
 Darst.: Ray Winstone (Vater), Tilda Swinton (Mutter), Lara Belmont (Jessie), Freddie Cunliffe (Tom) 
 Länge: 99 Min; Verleih: Arsenal

[RH]


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