Wo War der Witz?

Jetzt bin ich mir wirklich sicher. Smart-Sunnyboy Will "Man in black" Smith sollte doch bei seinen Leisten bleiben und den Jetset von Bel Air mit coolen Gags aufmischen, anstatt sich als gekonnter Filmschauspieler zu gerieren. Nicht einmal seine nervenschädigende deutsche (MIB-)Synchronstimme bleibt dem Publikum erspart. "Wild Wild West" ist der vorläufige Schlusspunkt seiner unverhohlenen Klamaukexzesse. Sein Sprachschatz beschränkt sich in vielen Situationen des Films auf die angsteinflößende Floskel "Shit!!!". Selbstverständlich lässt Super-Willy erneut einen Rap zum Clip vom Stapel. Der Rhythmus erinnert eigenartigerweise an seinen letzten Chartbreaker. Und schon steht einem atemberaubenden Spektakel nichts mehr im Wege. Im Wilden Westen geht es einmal mehr nicht mit rechten Dingen zu. Zahlreiche Wissenschaftler werden ohne viel Federlesens von unbekannt entführt. Special-Agent James West kommt schon bald dem perfiden Verursacher allen Unrechts auf die Spur: dem arglistigen Dr. Loveless. Dieser bewegt sich seit einiger Zeit ohne seine Beine, die er im Sezessionskrieg verlor, in einer Art Rollstuhl vorwärts. Auf der Jagd nach dem Doktor und seinen Komplizen, darunter illustre Gestalten wie Südstaaten-General "Blutbart" McGrath, kommt ihm immer wieder der US-Marshall Artemus Gordon (Kevin Kline) in die Quere. Klar, dass sich beide am Anfang nicht riechen können. Doch vom Präsidenten, Ulysses Simpson Grant bekommen sie den Auftrag, dem Schurken in aller Eile das Handwerk zu legen. Und so schlagen sich die beiden durch den Westen, immer auf den Fersen des Halunken. Eine Dame, die beiden den Kopf verdreht, durfte in der Story ebenfalls nicht fehlen, obgleich sich ihr Sinn wirklich höchstens auf einen Blickfang beschränkt. Zum Schluss dann der obligatorische Showdown, in dem sich die beiden, die sich jetzt natürlich auf männlich-herzliche Art besser verstehen als Anfangs, mit einem überdimensionierten Stahlungetüm, einer ausgeklügelten Konstruktion Dr. Loveless' mit Hilfe der gekidnappten Wissenschaftler, herumplagen müssen. Ein Scheitern der beiden kommt keinesfalls in Frage, und so retten sie die amerikanische Nation vor den finsteren Südstaatenplänen. Der Streifen ist eine Synthese aus Action-Komödie und Science-Fiction-Abenteuer, gewürzt mit einer Prise Klischee-Western. Der Titel an sich ist total irreführend. Schon der Plot hat mit dem Western-Genre herzlich wenig gemein. Und Will Smith kann sich nun wahrlich nicht an Größen wie Audy Murphy, Yul Brunner oder Randall Scott messen. In gewohnter Sitcom-Manier und schießwütiger als jeder Desperado in einer mexikanischen Würfelbude gibt er den Ganoven Saures. Ein Duell mit anderen Westernproduktionen kann sich der Film gar nicht leisten. Er beißt dabei unweigerlich ins Gras.

Wild Wild West 
 (USA 1999) 
 Regie: Barry Sommerfeld, 
 Kamera: Michael Ballhaus, 
 Musik: Elmer Bernstein, 
 Darst.: Will Smith, Kevin Kline, Kenneth Brannagh, Selma Hayek u.a.
 Länge: 106 Min., Verleih: Warner.

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